Berlin - Die zeitliche Nähe zum Erscheinen von Götz Alys Buch „Das Prachtboot. Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten“ ist womöglich ein Zufall. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste hat für fünf Forschungsprojekte zur deutschen Kolonialgeschichte insgesamt 685.000 Euro bewilligt. Gefördert werde unter anderem ein Verbundprojekt, das ganz Deutschland umspanne und Plündergut aus China untersucht.

„Asymmetrische Gewaltverhältnisse“

In seinem Buch schildert Götz Aly eindrucksvoll, wie brutal deutsche Händler, aber auch Missionare und Ethnologen in der Südsee auf Raubzug gingen. So zerstörten sie die Insel Luf, töteten große Teile der Bevölkerung und entwendeten alles Wertvolle, dessen sie habhaft werden konnten. Die meisten Objekte, die sich heute in den ethnologischen Sammlungen deutscher Museen befinden, sagt neben Götz Aly auch die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, stehen unter Raubkunst-Verdacht. Sie seien, so Savoy, unter „asymmetrischen Gewaltverhältnissen“ nach Europa gekommen.

Der Anstoß, die staatlichen Mittel zur Provenienzforschung auf die Kolonialgeschichte zu erstrecken, ist gewiss lobenswert, zeigt aber auch, wie arglos und defensiv die Museen ihren Beständen gegenüber bislang agiert haben. Der Begriff der Provenienzforschung, die die Herkunftsgeschichte von Kunstwerken und Artefakten untersucht, war vorwiegend auf Kulturgüter verwendet worden, die mutmaßlich im Kontext der nationalsozialistischen Verbrechen geraubt worden waren.

Versäumnisse eingeräumt

Nur langsam beginnt sich ein Bewusstsein für die Verbrechen der Kolonialgeschichte zu entwickeln, aus denen insbesondere die ethnologischen Sammlungen hervorgegangen sind. Zwei ihrer namhaftesten Leiter versuchen denn auch gar nicht erst, Alys Recherchen abzuwehren. Die Direktorin des Stuttgarter Linden-Museums Inés de Castro findet es positiv, dass diese koloniale Diskussion jetzt auch außerhalb Afrikas geführt werde. Und Lars-Christian Koch, der Leiter des Berliner Ethnologischen Museums, räumte ohne Umschweife Versäumnisse ein. Diese zu beheben, wird es aber mehr bedürfen als die vom Zentrum Kulturgutverluste bewilligten Mittel.