Emma, Azra, Zelia: Die BVG nennt Vornamen und crasht die Silvester-Debatte

Die Recruiting-Kampagne der BVG kontert cool und gut gelaunt die diskriminierende Forderung, die Namen der Silvestertäter zu nennen. Ein Debattenbeitrag.

Bus mit der Vielfaltskampagne
Bus mit der VielfaltskampagneEmmanuele Contini

Vornamen sind etwas Magisches. Ob sie nun nach irgendwelchen Erbfolgeregeln vergeben werden, oder ob sie von den Eltern und dem Zufall ausgesucht werden. Es ist, als würde das Kind in den Namen hineinwachsen, ihn annehmen, ihn dabei mit der eigenen Individualität verformen, sodass der Name nicht mehr für andere passen will, oder zumindest eine kurze Irritation aufkommt, wenn da jemand anders denselben Namen trägt. Ist es derselbe Name? Oder sind es nur dieselben Buchstaben? Ich erschrecke jedes Mal, wenn in der Redaktionskonferenz gesagt wird, dass sich Uli um den Wohnungsbauskandal kümmert? Aber dann fällt mir wieder ein, dass es nicht um mich geht, der überhaupt keine Ahnung von der Sache hat, sondern um den wohnungsbaupolitisch überaus kompetenten Ulrich Paul.

Mit dem Slogan „Say Their Names“ wurde versucht, die Namen der Opfer von rassistischen Anschlägen in den Fokus zu rücken und sie so als Personen mit eigener Biografie und Individualität zu markieren. Ein Name ist ein bisschen wie ein Gesicht, und ein Gesicht ist ein Spiegel, in dem man seine eigene Individualität erkennt, das nennt man Identifikation.

Ein symbolischer Pranger

Umso perfider waren die Forderungen nach den Silvesterkrawallen, die Vornamen der Täter herauszugeben, um Rückschlüsse auf deren Herkünfte zu ziehen. Um die Aggressionen und den möglichen Zusammenhang mit den schlechten Integrationsbedingungen zu verstehen, ist es hilfreich zu erfahren, ob es strukturelle Gründe für die Gewaltausbrüche gibt. Dennoch ist die in der Debatte geäußerte Forderung aggressiv, sie funktioniert als individuelle Unterstellung und ist als gruppenbezogene Schuldzuweisung gemeint. Ein symbolischer Pranger.

Die Recruiting-Kampagne der BVG
Die Recruiting-Kampagne der BVGBVG

Den Nachhall dieser Diskussion im Kopf radle ich Richtung Görlitzer Bahnhof und sehe aus dem Augenwinkel einen BVG-Bus in die Wiener Straße einbiegen. Er war schon wieder aus meinem Blickfeld, als ich merkte, dass ich Vornamen gelesen hatte: Mia, Emma und Erika, Malou, Azra und Zelia. Den Slogan darunter habe ich später in Erfahrung gebracht: „Ganz gleich, wie du heißt: Wir heißen Vielfalt im Job willkommen.“

Die Namen gehören zu einer Recruiting-Kampagne, bei der sich die BVG als ein Arbeitgeber präsentiert, der sich über neue Mitarbeiter aller Herkünfte freut und ja auch jetzt schon ganz offensichtlich ein sehr diverses Kollektiv hat. Die Kampagne läuft schon seit Mitte Dezember, aber ist es nicht toll, wie sie jetzt die Vornamen-Debatte crasht? Und welche Aufgabe könnte größer, also auch integrativer sein, als eine Stadt wie Berlin zum Funktionieren zu bringen?