Berlin - Ein paar Momente später darf man sich schon wundern, wie groß die Zustimmung für das neuerliche Pöbelvideo des schnellsprechenden YouTubers Rezo doch ist. Der hatte sich in Rage geredet über das Krisenmanagement der „inkompetenten Dullies“ in der Corona-Pandemie. Das lustig klingende Wort war noch der freundlichste Ausdruck einer Politikerbeschimpfung, die angesichts der verbalen Raserei trotz des diesmal eher kurz geratenen Zusammenschnitts schwer zu ertragen ist.

Wer jetzt moniert, dass Rezo nichts Neues und schon gar nichts Differenzierendes beizutragen habe, macht sich verdächtig, nichts vom Rap zu verstehen, der hier als wilder Rant dargeboten wurde, dem etwa die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim attestierte, „ein Ventil für den ganzen Frust“ gefunden zu haben. Der Medienjournalist Steffen Grimberg räumt zwar ein, dass Rezo sich hier und da anhöre „wie der eine oder andere Anhänger von Verschwörungsmythen“, schließlich kommt aber auch er zu dem Ergebnis, dass Rezo erneut ein paar wichtige Punkte getroffen habe.

Die Verachtung der Wissenschaft

Besonders hervorgehoben wird dabei in den verschiedenen Presseschauen die von Rezo angeprangerte Wissenschaftsfeindlichkeit der Politik, die für ihn vor allem darin zu bestehen scheint, dass die Warnungen und Einschätzungen der Experten nicht befolgt werden. Die einzig unterhaltsame Stelle der quälenden 13 Minuten ist ein Ausschnitt aus der ZDF-Talk-Show „Markus Lanz“, in der es der Braunschweiger Virologin Melanie Brinkmann trotz ihrer beachtlichen Schlagfertigkeit nicht gelingt, gegen die selbstgefällige Bräsigkeit der Politiker Michael Kretschmer (CDU) und Wolgang Kubicki (FDP) durchzudringen.

Und Rezo? Gebraucht an dieser Stelle das in seinem Jargon reichlich deplatziert wirkende Wort „Respektlosigkeit“. Er kritisiert also etwas, woraus sich der Furor seiner Zerstörungsperformanz doch beinahe ausschließlich speist. Respekt!?