Dafür, dass bei einer Preisverleihung der Geehrte auch einem Anwalt dankt, werden sich nicht viele Beispiele in der Geschichte finden lassen. Stephan Malinowski, der am Montagabend die Auszeichnung entgegennahm, hatte aber Anlass dafür, in seiner kurzen Rede zur Verleihung des Deutschen Sachbuchpreises 2022 auch den Rechtsanwalt zu erwähnen, der ihn in so manchem Streit unterstützt hat. „Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration“ heißt sein im Propyläen-Verlag erschienenes Buch.

Tatsächlich verwies der Autor bereits bei einem Radiogespräch im Dezember darauf, dass ihm kein vergleichbarer Fall bekannt wäre, dass Historikerinnen und Historiker sich so intensiven juristischen Auseinandersetzungen hätten stellen müssen. Er habe dies als „als massiven Druck subjektiv erlebt und auch als Einschüchterungsversuch empfunden“.

Der deutsche Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat

Stephan Malinowski ist nicht einfach nur Berliner durch seine Geburt im Westteil dieser Stadt im Jahr 1966, sondern auch durch sein Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an drei Berliner Universitäten – der Freien, Technischen und der Humboldt-Universität. Seine Dissertation verfasste er zu einem Thema, das jetzt wie eine Vorstufe zu seinem prämierten Buch angesehen werden kann: „Vom König zum Führer. Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat“. Nach verschiedenen Stationen in Europa lehrt er heute als Professor an der Universität von Edinburgh in Schottland.

Zum deutschen Adel kam Malinowski spätestens zurück, als er 2014 vom Land Brandenburg mit einem Gutachten beauftragt wurde, ob der ehemalige Kronprinz Wilhelm von Preußen dem nationalsozialistischen System „erheblichen Vorschub geleistet“ habe. Notwendig war das, um zu klären, ob dessen Nachfahren, also die Familie Hohenzollern, Entschädigungsleistungen für frühere Besitztümer beanspruchen können.

Das nun ausgezeichnete Buch baut auf dieser Arbeit auf. Die Jury des Deutschen Sachbuchpreises, die eine ganze Reihe interessanter Kandidaten vorweisen konnte, lobt in ihrer Begründung Stephan Malinowskis Quellenkenntnis und Argumentation, nennt das Werk eine „glänzende Milieustudie konservativer und rechter Republikfeindlichkeit“. Schließlich habe der Autor die Wissenschaftsfreiheit gegen Widerstände verteidigt. Und das könnte noch beispielhaft sein.