Anfang des vergangenen Jahrhunderts gab es in Berlin ein Pferd, das angeblich zählen und rechnen konnte. Per Hufklopfen konnte der Kluge Hans zum Beispiel angeben, wie viele Menschen mit Strohhut sich in einem Raum befanden. Das erregte Aufsehen, glaubte man damals doch, zählen könne nur der Mensch. Das Misstrauen war so groß, dass eine Expertenkommission zusammengerufen wurde. Die fand 1904 heraus, dass der Kluge Hans mit seinen korrekten Hufzeichen auf kaum wahrnehmbare Regungen seines Besitzers oder anderer Menschen reagierte.

Dass Tiere nicht zählen können, ist heute längst widerlegt. Und diese Fähigkeit besitzen nicht nur hoch entwickelte Tiere wie Affen oder andere Säugetiere. Es gibt Ameisen, die sich der Zahl ihrer Schritte bewusst sind und Spinnen, die wissen, wie viele tote Fliegen in ihrem Netz hängen. Tiere mit winzigen Gehirnen also. Praktisch alle Tiere, denen sich die Wissenschaft gewidmet hat, können mit Zahlen umgehen. Was die mathematischen Fähigkeiten angeht, schien nur die Null die letzte Grenze zwischen Mensch und Tier zu sein.

Die Null ist eine höchst spezielle Zahl. Der Mensch musste sie erst erfinden. Sie ist das Glied zwischen dem positiven und dem negativen Raum der Zahlen. Mit ihrer Hilfe lassen sich mit nur zehn Symbolen unendlich viele Zahlen darstellen. Sie hat eine Sonderstellung in der Mathematik, keine andere Zahl ist wie sie. Sie ist so etwas wie ein Mysterium, ein Konzept und ein Zeichen für das Nichts. Selbst Menschenkinder brauchen ein bisschen, bis sie mit der hoch abstrakten Zahl Null etwas anfangen können.

Doch auch diese Grenze ist gefallen. Aus einer Studie, die kürzlich in The Journal of Neuroscience veröffentlicht wurde, geht hervor, dass sogar Aaskrähen das Konzept Null verstehen. Was den  Menschen nun noch von allen anderen Tieren unterscheidet? Vielleicht ist es vor allem seine Fähigkeit, den eigenen Lebensraum zu vernichten.