Berlin - Über der Kuppel des Charlottenburger Schloss in Berlin schwebt seit 1956 eine kühle Fortuna-Statue. Ein hinreißend elegantes Spätwerk des 1876 geborenen Bildhauers Richard Scheibe, der seine Karriere in der Kaiserzeit begonnen hatte, in der Weimarer Republik schon als arriviert galt, nach 1933 zunächst Distanz zu den neuen Machthabern suchte, aber dann schnell immer neue Aufträge erhielt, auch seine Werke immer heroischer werden ließ. Schon 1940 verzeichneten ihn Hitler und Goebbels auf einer Liste von 378 Künstlerinnen und Künstler, die unentbehrlich seien für die kulturelle Zukunft der Deutschen, also nicht zum Kriegsdienst herangezogen werden durften. Was ihre Karriere nach dem Krieg, wie jetzt die neueste Ausstellung des Deutschen Historischen Museums zeigt, keineswegs behinderte. Ganz im Gegenteil: Schon 1950 erhielt Josef Thorack, Schöpfer einiger der klobigsten Skulpturen auf dem Berliner Olympia-Gelände, im Salzburger Mariellengarten eine gefeierte Ausstellung.

Die Ausstellung ist wie ein Parcours durch das Leben von zwölf Künstlern angelegt – allerdings geht es nur um Bildhauer und Maler. Das entspricht keineswegs der Zusammensetzung der ersten Liste der „Gottbegnadeten“, die 1944 Teil einer zweiten wurde, etwa 1000 Dichter, Theaterleute, Filmschauspieler, Architekten, Maler und Bildhauer sowie viele Musiker verzeichnete. Auch diese machten nach dem Krieg oft weiter Karriere wie etwa Heinz Rühmann oder die Pianistin Elly Nay, das Stross-Quartett wurde von Adenauer 1955 auf seine legendäre Reise nach Moskau mitgenommen – auch im sowjetischen Machtbereich wollte man vieles vergessen.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.