Die Unterdrückung der uigurischen Muslime in Xinjiang, das mysteriöse Verschwinden einer Tennisspielerin und Repressionen gegen die Demokratiebewegung in Hongkong – die Liste der Vorwürfe gegen China ist lang und triftig. Und doch scheint die Ankündigung der USA, keine Repräsentanten zu den Olympischen Winterspielen nach Peking zu schicken, wie das Werfen eines Wattebauschs. Die Formulierung diplomatischer Boykott besagt ja gerade, dass ein Boykott, demzufolge die Athleten eines ganzen Landes ihre Kufen ungeschliffen und die Skier ungewachst lassen, nicht infrage kommt. Das Fernbleiben vieler westlicher Sportteams bei den Sommerspielen 1980 in Moskau und der anschließende Boykott der Sowjetunion sowie 18 weiterer Mannschaften 1984 in Los Angeles waren ein Tiefpunkt der olympischen Idee, die doch die Überwindung politischer Konflikte in Aussicht stellt.

Annalena Baerbock erwägt Absage deutscher Diplomaten

Überzeugend funktioniert hat das nie, immer wieder wurden kriegerische Auseinandersetzungen in das Weltsportfest hineingetragen, der diplomatische Boykott ist so gesehen eine auffällige Geste mit vergifteter Botschaft. Und sie trifft, obwohl das Motiv leicht zu durchschauen ist. Längst hat die Debatte auch Deutschland erfasst. Nachdem Außenministerin Annalena Baerbock noch vor ihrer Vereidigung eine Absage deutscher Diplomaten in Erwägung gezogen hat, wehrte sich der neu gewählte DOSB-Präsident Thomas Weikert seltsam sprachlos mit der Phrase von der Kirche und dem Dorf. Die Sportverbände sehen sich einmal mehr als Opfer einer politischen Intervention. Dabei gibt es für das sportpolitische Versagen einen Adressaten. Er heißt Thomas Bach und ist seit 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). In dieser Rolle hat er sich wiederholt zum willfährigen Partner von Diktaturen gemacht. Es wäre an der Zeit, einen diplomatischen Boykott auch gegen ihn zu richten.