Das Einkaufen wird ja nicht einfacher, wenn man auf dem Klima nicht mit Hobbitfüßen herumtrampeln, sondern umständehalber so zart wie möglich darüberhuschen will. Zitronen gibt es bei Edeka heute nur aus Südafrika, die Plattpfirsiche kommen aus Griechenland. In den schwäbischen Weinbergen, in denen ich meine Jugend  – nein, nicht: verbrachte, sondern wo ich eben auch mal war –, wuchsen die Pfirsiche an knorrigen Bäumen. Man konnte sie essen, glaube ich.

Nun, diese hier sind aus Griechenland, und ich stelle mir vor, wie sie in großen Kühlhäusern gelagert werden, bevor es ab nach Berlin-Schöneberg geht, damit man hier bei angenehmen 21 Grad hineinbeißen kann, während den Leuten dort, wo sie herkommen, unter anderem wegen solcher Kühlhäuser der Arsch abbrennt. Entschuldigung, das war unfein. Aber Einkaufen macht mich emotional. Außerdem hätte ich gerne Pfirsiche gehabt.

„Geistersuppe“ geht für mich in Ordnung

Wenigstens springt einen beim Gang durch die Regale nicht mehr so krass der Rassismus an. Nur noch die Tatsache angesichts doch einiger umbenannter Produkte, dass sich hier jahre- und jahrzehntelang ein Rassismus fläzte, der einem gar nicht bewusst war. Nestlé und Knorr mussten diesbezüglich jüngst ja wieder nachbessern, und jetzt wirken die Flure in meinen Augen unbelastet. „Geistersuppe“ geht für mich in Ordnung und gegen den „Wikingertopf“ mag vielleicht in der nächsten Staffel von „Beforeigners“ polemisiert werden, die kommt aber frühestens Ende des Jahres.

Interessant ist, dass dpa im Nachgang der letzten Umbenennungen jetzt nicht die Unternehmen fragt, in welcher Form sie die ursprünglichen Beleidigungen gutzumachen gedenken, sondern sich mit zwei Markensoziologen über das ökonomische „Risiko“ solcher Änderungen von Produktnamen unterhält. „Die Chance, mit Haltung mehr Menschen zu erreichen, ist größer als das Risiko“, sagt der eine am Ende, was einem das Wort „Haltung“ zwar sehr entfremdet, aber zeigt, dass man auch als kleine Keks- und Pfirsich-Nichtkäuferin zählt.