Während wir in Deutschland über Satzzeichen in Wörtern streiten, um Frauen sichtbar zu machen, geht es bei unseren südöstlichen Nachbarinnen gerade um das Gegenteil: die Unsichtbarkeit. Das Abgeordnetenhaus in Prag stimmte am Mittwoch einer Gesetzesnovelle zu, die es Frauen erlaubt, zu wählen, ob man ihr Geschlecht bereits am Namen erkennen soll. Bisher müssen sie einen Familiennamen mit der weiblichen Endung „-ova“ tragen.

Ausnahmen von dieser Regelung gelten derzeit nur für Frauen, die Ausländer heiraten, und für Angehörige der nationalen Minderheiten wie der deutschen Volksgruppe. Allerdings trug auch die auf Deutsch schreibende Prager Schriftstellerin Lenka Reinerová die traditionelle Endung.

Denemarková, Fischerová, Kanturková und Tucková

Nicht als Frau am Namen erkennbar zu sein, hat seine Vorteile. Die britische Schriftstellerin Joanne K. Rowling ließ anfangs im angloamerikanischen Sprachraum nur J.K. Rowling auf ihre Bücher drucken, damit sie besser verkauft würden. Im schmalen Bücherregal mit ins Deutsche übersetzten tschechischen Autorinnen stünden dann zum Beispiel Denemark, Fischer, Kanturk und Tuck. Insider wissen, dahinter verbergen sich Radka Denemarková, Daniela Fischerová, Eva Kanturková und Katerina Tucková. Eine Tücke daran offenbart der Rowling-Vergleich. Es sind noch die Vornamen, die für Weiblichkeit stehen.

Das eigentliche Übel in der tschechischen wie anderen slawischen Sprachen liegt allerdings darin, dass die Endung -ova eine Frau zum Anhängsel des Mannes macht. In der Ehe trägt er den knappen, sie den mit dem a geschmeidig gemachten Namen. Oder die Tochter wird zur -ova des Vaters. Analog dazu wären wir im Deutschen die Müllerin, Maierin oder Geißlerin. Diese Sicht hat nun wirklich ausgedient.

Die Mehrheitsverhältnisse sind eindeutig: 33 Abgeordnete wollen nichts ändern, knapp dreimal so viele Abgeordnete stimmten für die Reform: 91. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der zweiten Kammer des Parlaments.