Clark Kent – ein Journalist wie der bescheidende Verfasser dieser Zeilen – ist stark wie eine Lokomotive, schneller als eine Pistolenkugel, nahezu unverwundbar, er kann seit 1950 nicht nur sehr weit und sehr hoch springen, sondern auch fliegen. Eine sehr anstrengende Rückenübung, bei der man auf dem Bauch liegend die Arme und Beine anhebt, ist nach ihm benannt: Superman.

Um seine Fähigkeiten im Kampf gegen das Verbrechen und zur Rettung der Welt effektiver einsetzen zu können, spaltet er seine Identität. Kein Zuckerschlecken für seine Kollegin und spätere Partnerin Lois Joanne Lane, die Superman toll, Clark aber eher so mau findet. Sie heiraten trotzdem.

Unsere Zeit braucht Superpersonen

Bei allem, wofür wir Clark Dank schulden, unter anderem auch den heldenhaften Einsatz im Kalten Krieg oder zuvor gegen die Nazis, was Joseph Goebbels bei einer Reichstagssitzung 1942 zu dem Ausruf „Superman ist ein Jude!“ veranlasste – eines kann ihm der woke Zeitgeist nun schwer verzeihen: Nämlich dass er nicht nur weiß, sondern auch heterosexuell, also undivers ist – und immer älter wird. Währenddessen ist in anderen Comics, zum Beispiel bei „Aquaman“, ein schwuler schwarzer Superheld zugange und hat Batmans Freund Robin längst entdeckt, dass er sich auch zu Männern hingezogen fühlt.

Zum Glück ist Clarks und Lois’ Sohn Superboy Jon zum Mann geworden und hat die Titelrolle der Comicserie „Superman: Son of Kal-El“ übernommen. Auch er verfügt über Superkräfte, aber in seiner Jugend weiß er sie noch nicht recht zu dosieren, er droht sich zu verzetteln und auszubrennen bei dem Versuch, die Welt vor dem Klimawandel zu retten. Zur Seite steht ihm sein Freund Jay Nakamura, auch ein Journalist. Wie der Verlag DC Comics am Montag, am Coming-out-Day, ankündigt, verliebt sich Jon in Jay – und entdeckt im Novemberheft seine Bisexualität. Dies ist natürlich ein Grund zu feiern, schließlich erleichtert es die Identifikation junger Superpersonen diverser sexueller Identität. Sehr nützlich, wenn ihnen die größte Superheldentat vielleicht noch bevorsteht: eben ihr Coming-out.