„Liebe Studentinnen und Studenten“ – diese Formel benutzt Professor Waldemar Czachur vom Institut für Germanistik der Universität Warschau erst seit ungefähr einem Jahr. Er tut das ganz bewusst, will damit ein politisches Signal hinsichtlich geschlechtergerechter Sprache setzen. „Aber es fühlt sich immer noch etwas ungewohnt an.“ Und doch heißt das: Es tut sich was in Polen.

Vor einem Jahr noch hat Waldemar Czachur „liebe Studenten“ geschrieben. Wie im Deutschen gibt es auch im Polnischen das generische Maskulinum. Aber es gibt auch weibliche Berufsbezeichnungen wie etwa Lehrerin. Im Plural aber zeige sich die Dominanz des Maskulinums, erklärt Waldemar Czachur. Hier gibt es zwei Genera, ein Personal-Maskulinum, das sich nur auf Männer bezieht, und ein Nichtpersonal-Maskulinum für Tiere, Sachen und Frauen. Und das Verb in der Vergangenheit muss sich immer an das Personal-Maskulinum anpassen, wenn nur ein Mann in der Gruppe ist, also auch in einem Satz mit 999 Studentinnen und einem Professor. „Da schränkt das Sprachsystem beim Gendern ein.“

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.