Berlin - Gegen eine Tochtergesellschaft der Stiftung Humboldt Forum sind schwere Vorwürfe erhoben worden. Wie Spiegel-Online und das ZDF-Magazin Frontal 21 am Dienstag berichteten, kritisieren mehrere ehemalige Mitarbeiter der Humboldt Forum Service GmbH (HFS) insbesondere die Arbeitsbedingungen im Umfeld der Eröffnung des Humboldt-Forums im Dezember/Januar 2020/2021. So seien Beschäftigte drangsaliert sowie ihr jeweiliges Arbeitsverhalten ausgespäht worden. Es sei untersagt gewesen, die Toilette aufzusuchen und während der Arbeitszeit Getränke zu sich zu nehmen. Eine Mitarbeiterin, die von der HFS fristlos entlassen worden war, hat ihre Arbeitserfahrungen in dem Bericht von Frontal 21 vor der Kamera dargestellt, andere Mitarbeiter haben es vorgezogen, sich anonym zu äußern.

Hartmut Dorgerloh, der Generalintendant des Humboldt Forums, war laut Frontal 21 nicht bereit, sich vor der Kamera zu den Vorwürfen zu äußern. Am Mittwoch hat Michael Mathis, der Sprecher der Stiftung Humboldt Forum, ausführlich zu den Vorgängen Stellung genommen. Man nehme die Vorwürfe sehr ernst, räumte er in einem Schreiben an Pressevertreter ein, in dem er die Aufgaben der HFS erläutert.

„Viel Flexibilität abverlangt“

Demnach hat die HFS ab November 2020 für den Besucherservice insgesamt 75 Mitarbeiter eingestellt. Zum damaligen Zeitpunkt sei geplant gewesen, das Humboldt Forum im Dezember zu eröffnen. „Die massive zweite Corona-Welle und der damit verbundene Lockdown haben die Eröffnung jedoch unmöglich gemacht. Die HFS hat in dieser Situation alles in ihrer Verantwortung getan, um Kurzarbeit oder gar pandemiebedingte Kündigungen zu verhindern, und hat die Mitarbeiter*innen weiterbeschäftigt, obwohl das Humboldt Forum wegen der Corona-Pandemie nicht wie geplant für den Publikumsverkehr öffnen konnte.“

Ab Januar seien den Mitarbeitern andere Arbeiten zugewiesen worden. „Eine Situation mit Schließ- und Begleitarbeiten, für die man sich im Kern nicht bei der HFS beworben hatte“, so Mathis, „war insbesondere für das Besucherservice-Team eine schwierige und zehrende Situation und hat den Teammitgliedern viel Flexibilität abverlangt.“ Den Vorwurf, das Aufsuchen der Toilette verweigert zu haben, weist Mathis im Namen der HFS zurück.

Stiftung: Wir werden uns entschuldigen

In dem am Mittwoch versandten Schreiben räumt die Stiftung Humboldt Forum jedoch ein, dass eine vertrauliche Liste mit Informationen zu Arbeitsleistungen einzelner Mitarbeiter angelegt worden sei, die über übliche Mitarbeiterlisten hinausging (Zum Beispiel: „xy ist montags immer müde“). Dies, so Michael Mathis, „hätte nicht passieren dürfen und entspricht in keiner Weise dem Vorgehen und der Arbeitsweise der Stiftung Humboldt Forum.“ Die Existenz dieser Liste sei der Stiftung erst am Mittwoch bekannt geworden und sie sei  selbstverständlich gelöscht worden. Man werde sich bei den betreffenden Personen entschuldigen. Zudem sei die Innenrevision der HFS mit der lückenlosen Aufklärung der Vorgänge beauftragt.