Berlin - Es gleicht längst einer hohlen gesellschaftspolitischen Phrase, zu Themen, die aus Sicht des jeweiligen Sprechers nicht mit dem nötigen Ernst und unter erhöhtem Blutdruck aufgegriffen werden, eine Debatte einzufordern. „Wir müssen reden“ – aus dem Konfliktfeldern der Paarbeziehungen weht ein Anspruch auf Gesprächsbedarf herüber, der als Sprechakt bereits so etwas wie unbedingte Geltung verlangt.

Jetzt also sollen die Debatten ins Humboldt-Forum. Mit heißen Herzen und tumber Rhetorik haben einige – mit und ohne Ironie – die Forderung nach sofortiger oder baldiger Sprengung des noch nicht vollends fertiggestellten Schlosses erhoben. Ist das noch Architekturkritik?

Der schwierige Begriff Ethnologie

Kaum verschließen können wird man sich indes den Fragen, ob und wie fortan außereuropäische Kunst gezeigt werden könne. In ihrer beeindruckenden Rede stellte die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie beispielsweise den seltsamen Begriff Ethnologie infrage. Wir haben uns darauf verständigt, dass das Wort Völkerkunde nicht mehr zeitgemäß ist, unter dem Begriff Ethnologie aber werde die Fremdheit aller anderen subsumiert, die nicht zum Wir gehören. Der scheinbar neutrale Ausdruck Ethnologisches Museum ist also zu allererst eine Distanzierungsformel.

Das Humboldt-Forum und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) wurden zuletzt oft und zum Teil sehr heftig mit ihren Versäumnissen konfrontiert. Die Lust an der Debatte kam dabei im Gewand der Fundamentalkritik daher. Je steiler die These, desto wahrscheinlicher die Aussicht auf Aufmerksamkeit.

Ich erinnere mich gut daran, wie ich in den 1980er-Jahren mit meinen Eltern, die zum Berlinbesuch angereist waren, durch die Dahlemer Sammlungen streifte, ohne auch nur einen Gedanken auf die möglicherweise problematische Herkunftsgeschichte der faszinierenden Objekte zu verwenden. Es wäre vielleicht hilfreich, auch die eigenen Verblendungs- und Lerngeschichten in die Debatten ums Humboldt-Forum einzubeziehen.