Berlin - An welche Freiheit denken Sie, wenn Sie von Meinungsfreiheit reden? Die erste Frage, die Ernst Osterkamp, der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, am Mittwochabend an seine Diskussionsrunde richtete, war sehr weit gefasst. Doch der Gastgeber, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Juergen Bos, machte den Rahmen kleiner. Denn auch wenn das Gespräch anlässlich der Woche der Meinungsfreiheit stattfand, und es, wie Bos sagte, international große Probleme gebe, sollte es konkret um die Literatur gehen. Überschrieben war der Abend mit „Cancel Culture oder Trigger Warnung? Müssen literarische Texte heutigen Erwartungen angepasst werden?“.

Mit Begriffsklärung ging es weiter. Der Zeit-Journalist Ijoma Mangold versuchte, Cancel Culture zu definieren, auch den Unterschied zur Debatte in den USA darzustellen. Im universitären Milieu der USA wäre es derzeit nicht einmal möglich, ohne Konsequenzen in einem Vortrag über den schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King das N-Wort zu wiederholen, obwohl der es bewusst eingesetzt hatte. Berufliche Folgen müssten Diskutierende in Deutschland nicht befürchten, überhaupt sei Cancel Culture weder Zensur noch Meinungsdiktatur. Mangold nennt sie eine Haltung, „die uns insgesamt alle verblödet“. Weil sie verhindere, dass man eine Meinung anhört, die man schwer verdaulich findet. Doch nur durch diese Möglichkeit könnte man gemeinsam klüger werden.

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