Beim Umgang mit dem kolonialen Erbe wollen Deutschland und Frankreich nach den Worten von Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) ihre Zusammenarbeit verstärken. Das teilte Roth am Montag zu ihrer ersten Auslandsreise nach ihrem Amtsantritt mit, die sie nach Paris führte.

Es geht dabei vor allem um den Bereich der Museumskooperationen und der gemeinsamen afrikanisch-europäischen Ausbildung von Museumsmanagern sowie um Erinnerungspolitik. „Es ist an der Zeit für eine echte Dekolonialisierung des Denkens – diesen Prozess müssen Europas Museen aktiv vorantreiben“, sagte Roth in Paris. Themen in Paris waren auch die Bemühungen um eine Verbesserung der sozialen Lage von Künstlern und Kreativen in der Pandemie.

Nach einem Treffen mit ihrer Amtskollegin Roselyne Bachelot-Narquin stand für Claudia Roth ein Besuch im Musée du quai Branly auf dem Programm. Dort wollte sie sich über die gerade erfolgte Rückgabe von 26 Sammlungsobjekten an Nigeria sowie die Digitalisierung von Objekten informieren. Das Museum habe vorbildliche Arbeit geleistet, so Roth. „Für mich ist die Frage der Auseinandersetzung mit den Folgen des Kolonialismus eine Zukunftsfrage.“

In Deutschland ist die geplante Übertragung des Eigentums der als koloniales Raubgut geltenden Benin-Bronzen derzeit ein großes Thema. Im Hamburger Museum am Rothenbaum für Kunst und Kultur MARKK ist vergangene Woche die Ausstellung „Benin. Geraubte Geschichte“ eröffnet worden,  die ausdrücklich der „Verabschiedung“ gewidmet ist. Das Museum zeigt erstmals alle 179 Objekte „seiner“ Benin-Sammlung.

Claudia Roth will hinsichtlich der Repatriierung von Raubgut alle deutschen Museen mit solchen Objekten an einen Tisch bringen. Etwa 1100 der kunstvollen Bronzen aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin sind in rund 20 deutschen Museen zu finden. Die größte deutsche Sammlung von Benin-Bronzen befindet sich in Berlin.