Berlin - Schon möglich, dass Dieter Bohlen und Joachim „Jogi“ Löw sich bei irgendeiner Mediengala schon einmal persönlich begegnet sind. Als Angehörige einer inländischen Prominenz hätten sie sich zu dieser Gelegenheit darüber austauschen können, wie schnell aufdringliche Allgegenwart und der Wille zu Unterhaltung kritisiert und nicht selten belächelt werden, einem Großteil der mediennutzenden Bevölkerung aber gute Dienste zur Stabilisierung ihres Alltags leisten. Die professionellen Formate, in denen Bohlen und Löw Ruhm und Anerkennung erworben haben, sind letztlich zu erfolgreich und kulturell bedeutend, als dass sie als bloße Geschmacksverirrungen abgetan werden könnten.

Im Fall von Jogi Löw wäre es denn auch absurd, ihm die gesellschaftliche Anerkennung zu verweigern. Fußball ist seit jeher mehr als nur Sport, es ist eine Volkskunst, auf die sich viele beziehen und an der sie nach Kräften auch mitwirken, zumindest was den diskursiven Rahmen angeht, in dem nicht nur Ergebnisse zählen, sondern auch Spielidee, körperliche Präsenz sowie das performative Gesamtbild. Und so darf man Jogi Löw zweifellos attestieren, 2014 nicht nur zur Erringung des Weltmeistertitels beigetragen zu haben, sondern auch dem bundesrepublikanischen Erscheinungsbild als selbstbewusste, aber auch reflektierte Nation eine neue Note gegeben zu haben.

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