Mit gemischten Gefühlen kehren viele Verlags- und Buchhandelsmenschen von der Frankfurter Buchmesse zurück. Denn es hat zwar geklappt, dass man sich wieder direkt sehen und sprechen konnte. Es gab dafür sogar mehr Zeit und Platz, weil viel weniger Aussteller und Besucher da waren als sonst. Vor allem die internationale Beteiligung war gering. Insofern überwog die symbolische Bedeutung die wirtschaftliche.

Viele wichtige Themen der Branche und der Gesellschaft standen auf der Messe zur Debatte: Verlage und Autoren protestierten gegen eine Vereinfachung der E-Book-Ausleihe. Nur mit Frauen diskutierte die Schriftstellerin Jagoda Marinic auf der ARD-Bühne an jedem Tag Zukunftsfragen, etwa mit der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, der Politikerin Aminata Touré, der Unternehmerin Janina Kugel und der Schriftstellerin Dilek Güngör. Das PEN-Zentrum und der Börsenverein organisierten eine Kundgebung für die Meinungsfreiheit in Belarus. Und schließlich erhielt die Schwarze Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Doch hatte die Messe vom ersten Tag an ein Thema, das nicht im Programm stand. Es lag wie ein Schatten auf allen anderen Debatten. Das war die Gegenwart eines rechtsradikalen Verlags. Wegen der Meinungsfreiheit und aus kartellrechtlichen Gründen dürfe sie keine Aussteller ausschließen, erklärte die Buchmesse-Leitung. Allerdings hatte sie die Vertreter der Neuen Rechten so prominent platziert, dass Schwarze Autorinnen dies als Bedrohung empfanden. Wenn die Messe überleben will als Marktplatz der Ideen, gehört mindestens eine sensible Planung der Hallen dazu. Damit sich Menschen, denen Rechtsradikale die Würde absprechen wollen, gerade willkommen fühlen – die anderen können ja am Rand Platz nehmen.