Am Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam soll es im Jahr 2019 einen Fall von sexualisierter Belästigung gegeben haben. Das berichtet die Zeitung Die Welt.

Anfang März sei der Vorfall von Anna-Margarete Brenker, der Kanzlerin des Kollegs, in einer E-Mail an Lehrkräfte und Studierende bestätigt worden, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Artikel.

Den Recherchen der Welt zufolge soll Hartmut Bomhoff, damals Dozent am Abraham-Geiger-Kolleg, einem Studenten ein Video geschickt haben, in dem zu sehen ist, wie er ich selbst befriedigt. Das Video soll der Welt vorliegen. Bomhoff ist der Ehemann von Walter Homolka, Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs.

Der Zentralrat der Juden hat schnelle und umfassende Aufklärung gefordert. „Schockiert müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass es nach Recherchen der Welt am Abraham-Geiger-Kolleg mehrere Fälle sexueller Belästigung gegeben haben soll“, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster am Freitag. Eine schnelle Klärung der Vorwürfe sei dringend nötig.

Das Kolleg ist Teil der Uni Potsdam. Diese teilte mit, sie habe eine Untersuchungskommission eingerichtet, die bis August einen Bericht vorlegen solle. Die Kommission sei beauftragt, „diverse Vorwürfe“ gegen den Rektor des Kollegs, Walter Homolka, und einen wissenschaftlichen Mitarbeiter zu prüfen.

Rektor Homolka kündigte an, seine Ämter vorerst ruhen zu lassen. Der dpa schrieb Homolka in einer Stellungnahme, es tue weh, die Vorwürfe lesen zu müssen. Er habe sein gesamtes Leben in den Dienst des liberalen Judentums gestellt und versucht, Möglichkeiten zu fördern, um sich angstfrei mit der jüdischen Tradition auseinanderzusetzen. „Ich bin in meinen Aufgaben immer bestrebt, das Richtige zu tun, und davon überzeugt, mich auch hier richtig verhalten zu haben“, schrieb Homolka weiter. Er habe sich entschlossen, bis zur Klärung des Sachverhalts die aktive Ausübung seiner Aufgaben in der jüdischen Gemeinschaft und an der Universität ruhen zu lassen.

Das 1999 von Homolka mitgegründete Abraham-Geiger-Kolleg ist ein Rabbinerseminar, das an die Universität Potsdam angeschlossen ist. An dem Kolleg werden Rabbiner für jüdische Gemeinden in Deutschland und anderen Ländern ausgebildet. Es ist nach Abraham Geiger benannt, einem Vertreter des liberalen Judentums. (mit dpa)