Die Kultur ist inzwischen geübt im Corona-Protest. Ein Pariser Theaterintendant öffnete sein Haus während des Lockdowns für heimliche Vorstellungen. In Belgien weigerten sich kurz vor Weihnachten mehrere Theater und Kinos in Brüssel, Lüttich und anderen Städten zu schließen, nachdem die Regierung einen Teil-Lockdown verhängt hatte, der die Gastronomie ausnahm. Das waren keine „Querdenker“, sondern die Leiter von Kultureinrichtungen, die diese Maßnahme als unsinnig empfanden, nachdem sie mit kostspieligen und wirksamen Hygienekonzepten Vorsorge getroffen hatten.

Vor ein paar Tagen nun protestierten niederländische Kultureinrichtungen gegen den als unsinnig empfundenen Teil-Lockdown, der Museen und Bühnen betrifft, nicht aber Friseure, Schönheitssalons und Sportstudios. Und sie haben sich was einfallen lassen. Das Van-Gogh-Museum in Amsterdam etwa verwandelte sich in ein Nagelstudio. Unter den Selbstporträts des Künstlers konnte man sich Sternennacht- oder Kirschblütenmuster auf die Nägel malen lassen – inspiriert von van Goghs bekannten Gemälden. „Ein Museum ist ein sicherer Ort und genauso wichtig wie ein Nagelstudio“, sagt die Direktorin des Museums, Emilie Gordenker. „Wir verlangen einfach nur, dass sie einheitliche Entscheidungen treffen – und Regeln machen, die jeder verstehen kann.“ Auch Friseure wurden in dem Museum tätig.

Ein Haarschnitt im Amsterdamer Concertgebouw

Das Van-Gogh-Museum ist nur eine von vielen Kultureinrichtungen, die sich an der Aktion beteiligten. Das Mauritshuis in Den Haag, wo Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“ hängt, organisierte ein Workout auf den Stufen des Parlaments in Den Haag, das Limburgs Museum im Südwesten des Landes verwandelte sich in ein Fitnessstudio. Weil die Behörden ein Verbot aussprachen, trafen sich die Angestellten zu einer Zumba-Session, wie das Museum per Twitter mitteilte.

Die Haare konnte man sich auch im Amsterdamer Concertgebouw schneiden lassen, während das Orchester spielte, im Amsterdam-Museum fanden Yoga-Klassen statt. 70 Häuser im ganzen Land beteiligten sich – zum Unwillen der Behörden, die auf dem Einhalten der Regeln beharrten.

Der Protest in den Niederlanden lässt einen die privilegierte Position Berlins empfinden, wo Theater, Kinos und Opernhäuser weiter offen sind und am 10. Februar die Berlinale als Präsenzveranstaltung eröffnen soll.