Wahrnehmungsstörungen können organischer Natur sein. Ein medizinisches Ereignis wie ein Schlaganfall beeinträchtigt die Nerven beim Verarbeiten von Sinnesreizen. Auch Drogen, Medikamente oder Alkohol schwächen den Menschen in seiner Fähigkeit, Gefahren zu erkennen. Aber was hindert uns in nüchternem und gesunden Zustand daran, die Welt zu sehen, wie sie ist?

Die Schauspielerin Robin Wright erhielt am Freitag auf dem Filmfest München den CineMerit-Award für ihr Lebenswerk und bezeichnete in ihrer Videobotschaft die Natur als „meditativ, heilend“ und „so viel größer als wir“. Die US-Amerikanerin, die bisher einige Folgen der Politserie „House of Cards“ inszeniert hat, vertritt diese Idee nun in ihrem Debüt als Spielfilm-Regisseurin: „Abseits des Lebens“. Eine Frau flieht, weil sie die Menschen um sich her nicht mehr ertragen kann, in die Rocky Mountains. „Die Gegenwart der Natur ist so stolz und sie ist so groß, dass man fast das Gefühl hat, sie würde einen umsorgen“, sagte Robin Wright dann noch.

Die Zeiten, da die Natur den Menschen umsorgen kann, gehen zu Ende. Wo der Raubbau durch den Menschen noch nicht so offensichtlich ist, mag ein Gang ins Freie noch meditativ wirken. Doch aus der kalifornischen Heimat der Ausgezeichneten kommen früher als sonst im Jahr Bilder von Waldbränden. Weiter nördlich im kanadischen British Columbia wütet ein Dauer-Feuer nach Rekordtemperaturen von fast 50 Grad Celsius. Am Freitag filmten Badegäste an der Schwarzmeerküste die Rauchsäule von einer Explosion in Rumäniens größter Ölraffinerie Petromidia. Zur gleichen Zeit hat es im Golf von Mexiko gebrannt, nachdem eine Unterwasser-Gas-Pipeline leck geschlagen war. Flammen stiegen aus dem Ozean.

Wir sehen die Bilder und staunen. Kommen sie an den richtigen Stellen im Nervensystem an? Der alte Konsum- und Geschwindigkeitsrausch hat des Menschen Sinne benebelt. Es ist die Natur, die heute der Heilung bedarf.