Berlin - Als vor einigen Wochen der gestandene Sozialdemokrat Wolfgang Thierse in die Schusslinie seiner eigenen Parteiführung geriet, weil er es gewagt hatte, nicht nur ihn irritierende kulturelle Positionen und Praktiken, etwa die Verwendung von Gendersternchen in Schriftstücken, infrage zu stellen, wurde deutlich, wie sehr die altehrwürdige SPD ihren inneren Kompass verloren hat. Während Thierse im besten Sinne diskussionsfreudig die Relevanz aktueller gesellschaftlicher Debatten im Sinn hatte, wurde er von Kevin Kühnert und Saskia Esken, ohne ihn eigens zu adressieren, als rückwärtsgewandter Zeitgenosse disqualifiziert, der der Partei bei der dringend benötigten Erschließung neuer Wählergruppen nur im Weg steht.

Thierse hatte an eine gesellschaftliche Vernunft und einen gesunden Menschenverstand appelliert, die in den partikularistisch geführten Debatten um Sprachpolitik, Diversität und Cancel-Culture immer öfter unter die Räder kommen, während es den Kombattanten primär darum zu gehen scheint, symbolische Etappensiege davonzutragen.

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