Berlin - Berlin wird immer internationaler, lobt sich die Stadt gern. Tatsächlich hat fast ein Viertel der Berliner keinen deutschen Pass, also etwa 770.000 Menschen. Viele von ihnen sind nach Berlin gekommen, um hier zu arbeiten. Manche leben seit Jahren in der Stadt, seit Jahrzehnten sogar. Sie dürfen hier auch Steuern zahlen, sich engagieren. Bloß darüber mitbestimmen, wie ihr Steuergeld ausgegeben wird, dürfen sie nicht, denn sie haben kein Wahlrecht. Oder höchstens auf kommunaler Ebene, sollten sie einen EU-Pass besitzen, was etwa ein Drittel betrifft. Bis auf vier Ausnahmen – Neuseeland, Malawi, Uruguay und Chile – halten das alle Staaten dieser Welt so, wenigstens, was Wahlen auf nationale Ebene angeht.

Den Superwahltag am 26. September nehmen Die Vielen zum Anlass, zu fragen, ob diese Verweigerung politischer Partizipation sinnvoll ist, in einer Zeit, in der sich mehr Menschen durch die Welt bewegen als je zuvor. Dieses Netzwerk aus Kunst- und Kulturschaffenden sowie Institutionen setzt sich jedenfalls für das Wahlrecht für alle ein. Ihre Aktionswoche „Die Parlamente den Vielen“ beginnt am 12. September mit einer Konferenz in der Akademie der Künste. Genau eine Woche vor dem Superwahlsonntag, am 19. September, zieht in Berlin ein Demonstrationszug zum Platz der Republik, wo eine symbolische Wahlurne nach Plänen der Künstler Raul Walch und Philine Rinnert errichtet wird.

Zwölf Künstlerinnen und Künstler haben für die Kampagne Plakate entworfen. Darunter ist ein leuchtend gelber Stimmzettel von Minhee Ahn. „Sie haben 0 Stimmen“, heißt es darauf. Oder das ganz von Buchstaben ausgefüllte Plakat von Zuzana Czebatul, die sich zu den Worten „Welt Bürger Innen Schafft“ formieren. Und das mit dem weitaufgerissenen Mund, gestaltet von Kasia Fudakowski, zu dem es heißt: „Ihre Meinung ist uns wichtig! Weil wir keine Stimme haben.“ Die Plakate werden bald in der Stadt zu sehen sein.