Wenn Popstars sich mit dem Ort ihrer Herkunft beschäftigen, sind Gefühle nicht selten zwiespältig. „Die Welt steht still hier im Hinterwald“, heißt es in dem Lied „B96“, das die Band Silbermond ihrer sächsischen Heimatstadt Bautzen gewidmet hat. „Die Hoffnung hängt am Gartenzaun/Kein Mensch kommt je vorbei“. Natürlich, die Tristesse der Provinz, das unspektakuläre Leben an einer sehr langen Bundesstraße. Für Silbermond und deren Frontfrau Stefanie Kloß war „B96“ aber stets auch eine Liebeserklärung an ihre Stadt, die sie auf keinen Fall verleugnet hinter sich lassen mochten.

Die Pandemie als Vorwand für Krawall

Nun aber sorgt sich Kloß um den Ruf Bautzens gerade wegen derjenigen, die doch vorbeikommen. Wie viele andere Städte vor allem in Sachsen und Thüringen wird die große Kreisstadt in der obersächsischen Lausitz derzeit heimgesucht von sogenannten Corona-Spaziergängen, bei denen sich Kritiker der Pandemie-Maßnahmen gesinnungsstark Luft machen. Deshalb ist es der Initiative „Bautzen gemeinsam“ ein Anliegen, auf eine sich ganz anders positionierende Stadtgesellschaft aufmerksam zu machen. „Wir wollen Verantwortung für unsere Stadt übernehmen“, heißt es in dem offenen Brief, zu deren Erstunterzeichnern Stefanie Kloß gehört. „Wir schließen uns zusammen, denn wir sind die Mitte dieser Gesellschaft. Die Corona-Protestler nutzen die Pandemie als Vorwand, um Krawall zu stiften, die Demokratie zu gefährden und die Gesellschaft zu spalten.“

Stefanie Kloß wurde 1984 in Bautzen geboren, als Sängerin der Band Silbermond wurde sie spätestens 2004 zum markanten Gesicht eines neuen deutschsprachigen Popsounds. Gleich auf ihrer ersten LP „Verschwende Deine Zeit“ war das Stück „Symphonie“ enthalten, das bis heute als beliebte Erkennungsmelodie der Band gilt. Stefanie Kloß wirkte darüber hinaus in Fernsehshows wie „Voice of Germany“ und „Sing meinen Song“ mit, nie ohne dabei auf ihre ostdeutsche Heimatstadt Bautzen zu verweisen.