Bei der Mitgliederversammlung des PEN-Zentrums Deutschland in der Frankfurter Paulskirche hat Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, am Dienstag Stellung genommen zur Debatte um die Absage von Autorinnen und Autoren bei der Frankfurter Buchmesse und zum Redebeitrag der Stadtverordneten Mirrianne Mahn während der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am vergangenen Sonntag in der Frankfurter Paulskirche.

Schmidt-Friderichs, selbst Verlegerin und seit 2019 gewählt als die oberste Branchenvertreterin, wandte sich gegen die Aussage der Frankfurter Stadtverordneten Mahn bei der Verleihung des Friedenspreises an Tsitsi Dangarembga am Sonntag. Mahn hatte gesagt, schwarze Frauen seien auf der Buchmesse nicht willkommen. „Das wird nie so sein, dafür verbürge ich mich“, hielt Karin Schmidt-Friderichs dagegen. „Ganz im Gegenteil: Alle Menschen sind auf der Frankfurter Buchmesse willkommen, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft, sexueller Orientierung und Identität oder anderem. Wir stehen ein für eine vielfältige und liberale Gesellschaft. Wer sonst sollte sie bieten, wenn nicht wir?“ Der Börsenverein schickte am Nachmittag Zitate aus ihrer Rede an die Presse.

Schmidt-Friderichs sagte am Dienstag aber auch: „Wenn diejenigen, die für das Miteinander, für Offenheit und Toleranz stehen, sich zurückziehen, dann ist mir bange um unsere Gesellschaft.“ In der Geschichte der Buchmesse sei für die Sicherheit zahlreicher bedrohter Personen gesorgt worden. „Wenn wir es aber in den vergangenen Tagen nicht geschafft haben, allen das Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, haben auch wir etwas falsch gemacht. Für Gefühle wie Angst sind nicht nur diejenigen verantwortlich, die sie haben, sondern auch die, die diese Gefühle nicht zu nehmen vermochten.“

Zur Anwesenheit rechter Verlage erklärte sie wie zuvor bereits andere Experten und auch die Buchmessen-Leitung, in einem Rechtstaat sei es nicht die Aufgabe eines Messeveranstalters zu beurteilen, wer dort ausstellen kann und wer nicht, sondern die der Gerichte. Das gelte insbesondere wegen der Monopolstellung der Frankfurter Buchmesse als weltgrößter Buchmesse. „Wir brauchen das Gespräch und den Diskurs, wir müssen verhandeln, wie wir leben können“, sagte Schmidt-Friderichs gegenüber den Vertretern des PEN-Zentrums. Auch über den Umgang mit politisch extremen Meinungen in der Gesellschaft und auf der Buchmesse müsse weiter gesprochen werden.