Streitgespräch

Von Schwulen und Nazis: Zwischen Opfermythos und historischer Präzision

Alexander Zinn warnt vor einer falschen Verklärung in der Erinnerung an zur NS-Zeit verfolgte Homosexuelle. Lutz van Dijk sieht das anders. Ein Streitgespräch.

Im Homosexuellen-Club El Dorado in der Schöneberger Motzstraße, 1926.
Im Homosexuellen-Club El Dorado in der Schöneberger Motzstraße, 1926.Imago

Berlin-Die Aufarbeitung der Verfolgung Homosexueller zur NS-Zeit ist für die queere Community identitätsbildend – teils jedoch gegen die historische Faktenlage. So argumentierte der Historiker Alexander Zinn in einem kürzlich erschienenen Beitrag in der Berliner Zeitung. Der Rosa Winkel, der zur Kennzeichnung Homosexueller in Konzentrationslagern benutzt wurde, sei fälschlicherweise zum Symbol positiver Identifikation avanciert. Auf dem Spiel stehe letztlich die Glaubwürdigkeit der queeren Szene. Der Historiker Lutz van Dijk reagierte darauf mit einem Beitrag im Tagesspiegel, wo er warnte, in der Bewertung der Faktenlage allein mit NS-Kriterien zu operieren – dies würde das Erinnern an queere Opfer nachhaltig behindern. Wir haben Alexander Zinn und Lutz van Dijk zu einem Streitgespräch via Zoom gesprochen.

Berliner Zeitung

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