Der Sänger Declan McKenna begeistert seit seiner Teenager-Zeit.
Foto: Sony Music

In Zeiten, in denen HipHop und elektronische Musik die Charts und Clubs besiedeln, den Sound von Werbeclips und Festivals bestimmen, hat es der zuletzt in den 2000er-Jahren so angesagte Britpop ungemein schwer. Wer erinnert sich noch an Bands wie The Libertines, The Kooks und Arctic Monkeys? Wer weiß noch, wie man sich die Röhrenjeans zerschnitt, die Haare wachsen ließ? Und ist überhaupt jemandem bewusst, dass es schon vor den 2000ern immer wieder neue Wellen von Britpop-Bands gab?

Einer scheint es jedenfalls zu wissen, auch wenn er mit seinen 21 Jahren kaum einen Hype um das Genre mitbekommen haben dürfte: Declan McKenna. Seit seinem ersten, selbst veröffentlichten Album im Jahr 2014 gilt er als Wunderkind der Independent-Szene. Schon damals sang er Teenage-Krisen-Texte und spielte grandios Gitarre – dabei war er gerade mal 14 Jahre alt. Und auch heute ist er seinem Alter voraus: Sein viertes, nun in Deutschland erscheinendes Album „Zeros“ besitzt den Sound, den einst die Arctic Monkeys hatten: eine hohe, an den richtigen Stellen kratzende Stimme, ein pompöses Gitarrengewitter und Zeilen über das Leben.

In dem mit Synthesizer verzierten Stück „The Key to Life on Earth“ sinniert er etwa darüber, wie man zurückgehalten wurde, mit anderen Jugendlichen abzuhängen, weil sie aus einem anderen Vorort kamen. „In gewisser Weise spiegelt es wider, wie ich mich fühle, wenn sich Menschen feindlich gegenüberstehen – obwohl sie sich doch ähnlich sind“, sagte McKenna dem britischen Radiosender BBC. Im Videoclip hat er sich den Schauspieler Alex Lawther aus der britischen Erfolgsserie „The End of the F***ing World“ dazugeholt. Die beiden stellen darin einen trostlosen, grauen Alltag mit viel Langeweile nach, der etwas an die makabere Serie erinnert, mit zwei Millionen Klicks wurde das Video zum Hit.

In anderen Stücken, wie dem elektrisierenden Gitarrenstück „Beautiful Faces“, geht es um weniger fremdbestimmte Lebensweisen. Es sind nicht die Eltern, die einen etwa von vermeintlich schlechten Beziehungen fernhalten, sondern man selbst ist schuld, wenn man sich von schönen Menschen verführen lässt – Promis, Personen auf Social Media, mutmaßlichen Freunden. „Aber die Schönen werden sich am Ende nicht an dich erinnern, Schatz“, sing McKenna im Refrain und nimmt dabei selbst eine Art beschützende, allwissende Elternrolle ein.

Der Musiker schafft es gut, jugendliche Themen zu behandeln und dabei nicht jung zu klingen. Was nicht nur an dem Sound liegen mag. McKenna versteht es, sich als eine Art Geschichtenerzähler zu platzieren – was ihm besser als sonst gelingt. Man kann nur hoffen, dass er damit auch eine schöne neue Welle des Britpops auslöst.

Declan McKenna - „Zeros“ (Smi Col / Sony Music)