Das leuchtende Gelb des Raps’ kann eine Spur zu ihm legen, diese Bilder der zerfließenden Felder im Norden, die hell aufscheinen und in dunklen Rändern ihre Grenzen finden. Die Landschaften, die er formt, formen sein Werk. Auch die Blumen, diese vergängliche, nur kurz aufblühende Natur. Immer ist sie vergänglich bei ihm, wie der schweflige Himmel über Südfrankreich im Winter.

Klaus Fußmann, der Berliner Maler, der am Sonnabend 80 wird, kann auch die Stadt in die Landschaft stellen, wie man sie selten gesehen hat. Seine Blicke auf Berlin, aus den Jahren 1979 und 1980 zum Beispiel, zeigen die Dächer über dem Kurfürstendamm wie eine vereiste Klippenformation vor verschwimmendem Horizont. 

Ein Blick vom Funkturm zeigt Charlottenburg wie eine verwirbelte Häusermasse, die in der Bewegung schroff eingefroren wurde. Kein Mensch zu sehen da. Auch nicht vor dem Brandenburger Tor in den Neunzigern, wo man mit einem Blick auf Fußmanns Bild die ganze Geschichte der Stadt erahnen kann – in den leeren, schwarzen Fensterhöhlen, die er den Häusern neben dem Tor eingraviert hat.

Seine Werke schmückten das Kanzleramt

Fußmann kam aus Velbert, aus dem Westen, in diese Stadt. Und was er in den 50er- Jahren des vergangenen Jahrhunderts hier fand, hat er einmal so beschrieben: „Berlin, das war die Stadt der leeren Räume, wo ich studierte, zum Maler wurde. In Berlin, inmitten der ruinösen Frontstadt, lebte noch der deutsche Expressionismus.“ Und es war kalt in den großen, alten Wohnungen, die mit ein bisschen Kohle kaum warm wurden. „Wir Künstler hatten die Armut im Schlepptau, das größte Glück war es, mal ein Bild für 300 Mark zu verkaufen.“

Das ist lange vorbei. Er ist anerkannt, berühmt. Er malt in seinem Atelier in Gelting an der Ostsee. Die großen Galerien und Museen zeigen ihn, er präsentierte seine Deutschlandbilder im Kanzleramt, längst hat er ein Lebenswerk.

Und er hat auch noch diese große alte Wohnung im Westen Berlins, in der er und seine Frau Barbara Geschichte um sich versammeln, Kunstgeschichte, mit all den Bildern an den Wänden. Und wenn er dort in einem tiefen Sofa sitzt und in die Jahrzehnte zurückgreift, in die Zeit, als er in der Stadt ankam, dann sagt er: „In Berlin war es ehrlich, alles Vorherige konnte ich vergessen.“ Das ist so ein Satz, den viele denken, die nach Berlin kommen. Heute noch.

„Jedes Bild ist etwas Neues, Unbekanntes, Riskantes“

Er ist auch ein Sammler, ein Menschensammler, das konnte man vor vier Wochen in Potsdam sehen, als das Museum Barberini seine große Ausstellung zum 80. Geburtstag eröffnete. Da kamen die Begleiter eines langen Lebens, da kam eine kluge, heitere Gesellschaft, um ihn zu feiern und seine Blicke auf die Welt zu sehen: die Blumen und den abstürzenden Ikarus, das halbwegs Tröstliche und das Unvermeidliche. Und niemals das Gewöhnliche.

„Jedes Bild ist etwas Neues, Unbekanntes, Riskantes“, hat er im vergangenen Mai einmal in einem langen Gespräch gesagt. Und wenn man ihn richtig verstanden hat, ist es ihm eine Freude, dieses Risiko immer wieder einzugehen. „Malen ist eben kein solider Beruf. Malen ist eher ein Vabanquespiel.“ Aber man kann es gewinnen.