Er war wie Phileas Fogg, und ich war sein Pagen-Mädchen Passepartout. A Gentleman travels in style, um das Organisatorische hatte ich mich zu kümmern. Er vertraute mir blind. Er war gewöhnt, sich dienstbaren Geistern anzuvertrauen – wer er war, dieser Kunde meiner Dienste, tut nichts zur Sache, aber bei unserem ersten Treffen in Berlin hatte ich diesen Ästheten geradezu berauscht mit meinem Spezialwissen, mit dem kein Travel & Leisure-Magazin mithalten kann, und als er mich fragte, wohin ich selbst am liebsten reisen würde – privat –, sagte ich: Marrakesch!

Gut, dann plane uns beiden über Weihnachten einen Kurzurlaub. Sag mir nur, was es kostet, inklusive dir. Es gibt Leute, die es sich ab und zu gönnen, mehrere Tausend Euro für eine Nacht inklusive Spesen auszugeben, und dann gibt es noch ein Klientel, für die es gar nichts Besonderes ist, sondern so, als würde man sich eine Kinokarte kaufen. Diese Leute buchen Escorts wie mich nicht nur für eine Nacht, sondern als Reisegesellschaft. Weil sie auf Reisen sowohl sexuell als auch kameradschaftlich unterhalten sein wollen. Mit einer Bekanntschaft aus dem privaten Umfeld aber sind solche Reisen ausgeschlossen, wenn man zwar Sex will, aber keinesfalls, dass sich die Urlaubsbegleitung Hoffnungen macht auf Heirat und Familienplanung. Also bleiben nur Escorts wie ich.

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