Berlin - Der Wettbewerb für den Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde ist entschieden. Den Jury-Zuschlag erhielt der Entwurf der Berliner Architektin Ursula Wilms sowie der Landschaftsgestalter Nikolaus Koliusis und Heinz W. Hallmann. Von Wilms und Hallmann stammt auch das Gebäude für das Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“. Der Entwurf sieht für den Gedenkort an der Philharmonie eine blaue, drei Meter hohe Glaswand auf dunkler Fläche vor. Diese markiert das ursprüngliche Grundstück Tiergartenstraße 4. Von der dortigen, nicht mehr vorhandenen Villa war die NS-„Euthanasie“-Aktion gesteuert worden. Auf einem „Informationselement“ sollen Fakten zur gezielten Ermordung Behinderter und Kranker dokumentiert werden. Im September 2013 soll das Denkmal fertig sein. Zu dem 40-köpfigen Preisgericht gehörten Kulturstaatssekretär André Schmitz, Andreas Nachama von der „Topographie des Terrors“, Uwe Neumärker vom Holocaust-Mahnmal und der Historiker Götz Aly.

Trotzdem ein Denkmal

Der Bundestag hat 500.000 Euro für das Denkmal bewilligt, das Land steuert das Grundstück bei. Nach dem Bundestagsbeschluss hatten 17 Gedenkstättenleiter, Wissenschaftler und Vertreter von Opferverbänden in einem Offenen Brief eine verstärkte Information über die Massentötungen angemahnt. Gerade am historischen Ort bedürfe es aber „keines neuen Denkmals“. Unterschrieben wurde der Brief unter anderem vom heutigen Bundespräsidenten Joachim Gauck; er war damals Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen“.

Trotzdem wird es ein neues Denkmal geben. Der Massentötung fielen 1940/41 über 70.000 Behinderte oder Kranke zum Opfer. Nach Protesten wurden die Tötungen dezentral fortgesetzt. Die Gesamtzahl liegt bei 300.000 Todesopfern. An der Philharmonie erinnert bislang eine Bodenplatte mit Informationstafel und Metallplastik an die Geschichte des Ortes. (epd/BLZ)