Dennis Hopper zeigt Geschichte: Dieser eine Moment

Es ist ein Bild, wie man es auch in einem Schulbuch abdrucken könnte: Man sieht Martin Luther King eine Rede halten; vor ihm stehen unzählig Mikrofone. Er scheint angespannt zu sein, auf seinen Kampf konzentriert.

Das Foto stammt aus dem Jahr 1965, und es könnte fast banal wirken. Denn solche Bilder gibt es längst überall; und inzwischen weiß jeder, wer Martin Luther King war und wie er aussah. Jeder kennt seinen Kampf für die Bürgerrechte und gegen den Rassismus in den USA. Der Mann ist Geschichte, ein charismatischer Held.

So wie es, auf andere Art, der Fotograf Dennis Hopper war. Das Bild von Martin Luther King ist Teil einer Ausstellung von Fotografien Hoppers aus den 1960er-Jahren, die derzeit im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist.

Aufnahmen aller Art

Nicht nur Aufnahmen historisch oder kulturell bedeutsamer Helden und Ereignisse werden hier präsentiert. Die Schau zeigt natürlich Fotos von Hollywood-Stars oder berühmten Factory-Künstlern wie Andy Warhol – aber eben auch sonst einfach alles, was Hopper so zwischen 1961 und 1967 umgab: Hippies und Biker; Straßenszenen aus den USA, Mexiko oder Großbritannien; Kämpfe gegen Stiere oder Polizisten; Bilder von Freunden, Orten, Werbetafeln. Sogar seinen Fernseher hat Hopper fotografiert, als dort die Beerdigung von Präsident John F. Kennedy übertragen wurde.

Dennis Hopper kannte Hollywood natürlich gut. Als Schauspieler war er schon in den 1950ern an der Seite von James Dean aufgetreten. Ab Ende der 1950er hatte Hopper in der Traumfabrik allerdings zunehmend Schwierigkeiten wegen seiner berüchtigten Exzentrik. Viele Kontakte pflegte er dort weiter, auch , das zeigen seine Fotos. Sie bieten aber nur einen Ausschnitt dieser Welt – so wie er sie in den 1960er-Jahren erlebte.

Dennis Hopper begann 1961 zu fotografieren. Damals lebte er in New York City, wo er Schauspiel studierte. Bei einer Probe lernte er die junge Schauspielerin Brooke Hayward kennen, die ihm zum Geburtstag eine Kamera schenkte, die er um seinen Hals hängte. Bis zum Beginn seiner Arbeit an dem Kultfilm „Easy Rider“ im Jahr 1969 legte er sie nicht mehr weg.

Spontane, intime, poetische und politische Bilder

Tausende Fotos entstanden, von denen Hopper 429 auswählte, die er in nur zwei Ausstellungen zeigte: spontane, intime, poetische und politische Bilder, die nicht selten den gesellschaftlichen Umbruch dokumentieren. Später zeigte Hopper andere Bilder in seinen Schauen. Die ursprüngliche Ausstellung wurde vergessen.

Ein Jahr nach seinem Tod im Jahr 2010 fand Hoppers Tochter Marin zufällig ein paar Kisten voller Bilder: Es handelte sich um die vergessenen Fotografien aus den Ausstellungen vom Anfang der 1970er. Etliche Abzüge sind verkratzt, verfärbt, manche Ecken sind zerfasert. Die Bilder sind also Vintage im besten Sinn: nicht nur einfach alt, sondern authentisch, ursprünglich.

All diese Fotos werden zum ersten Mal überhaupt in Europa gezeigt. Und sie werden in Berlin genau so präsentiert, wie Hopper sie in seinen eigenen Ausstellungen zeigte: Vintage bis ins Detail.

Dennis Hopper – The Lost Album. Vintage-Fotografien aus den 1960er-Jahren bis 17. Dezember im Gropius-Bau Berlin, Mi bis Mo 10-19 Uhr, DI geschlossen. Eintritt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro.