Heiner Müller 1994 in der Literaturwerkstatt Berlin bei einer Veranstaltung über „Literatur in veränderter Landschaft“. 
Foto:  imago stock & people

Berlin - Heiner Müller (1929–1995) saß gerne zusammen mit Bekannten, trank kräftig, rauchte und redete. Er sprach leise, und wer nicht direkt bei ihm saß, der musste sich von Müllers Nebenmännern zuraunen lassen, was er wieder Tolles gesagt hatte. Das gerade bei Suhrkamp erschienene Buch „Der amerikanische Leviathan“ ruft – es sind einige Äußerungen aus Interviews darin – diese Seite an dem wichtigsten deutschen Dramatiker der letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts in Erinnerung: „Die USA sind das reichste Armenhaus in der Welt“, oder die Beobachtung, dass das zerfallende New York, das keines seiner Probleme gelöst bekommt, so „langsam einen organischen Charakter“ erhalte oder auch: „Irgendwann stirbt man und wird Landschaft.

„Der amerikanische Leviathan“ ist eine Zusammenstellung von Äußerungen Heiner Müllers über die USA. Keine leichte Lektüre. Es steht so viel offensichtlicher Unsinn darin, dass man immer wieder das Buch beiseitelegen möchte. Zum Beispiel: „Dieses Land hat keinen Krieg erlebt, diese Bevölkerung weiß nicht, was Faschismus ist, selbst wenn sie das machen. Es hat also keine wirklichen Traumata gegeben, die eine Nation gebildet haben.“ Das hier gesetzte „also“ ist der völlige Quatsch. Es ist ein chauvinistischer Blick auf die Welt. Er erklärt die eigenen Traumata zu den einzig wirklichen.

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