Die Zentrale von Pro Sieben Sat 1.
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MünchenAm Dienstag schien es noch so, als habe sich Max Conze, der Chef von Pro Sieben Sat 1, endgültig durchgesetzt. Damals wurde verkündet, der Posten seines kaltgestellten Stellvertreters und Widersachers Conrad Albert, der zum 30. April gehen muss, werde nicht neu besetzt. Einige von dessen Aufgaben sollte Conze übernehmen.

Doch Donnerstagabend gab Pro Sieben Sat 1 bekannt, dass man sich „mit sofortiger Wirkung“ von Conze trenne. Verbunden war die Personalie mit einer Strategieänderung: Fortan wolle man sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. Die zahlreichen E-Commerce-Beteiligungen, die Conze am Herz lagen, würden „zu gegebener Zeit veräußert“.

Der 180-Grad-Schwenk innerhalb von nur zwei Tagen spricht nicht für einen mit ruhiger Hand agierenden Aufsichtsrat. Schenkt man Insidern Glauben, war der plötzliche Kurswechsel keineswegs eine Idee des Kontrollgremiums. „Die Aktionäre haben Aufsichtsratschef Werner Brandt zu diesem Schritt gezwungen“, sagt einer von ihnen. Zu groß sei die Verärgerung über die Eskapaden des ebenso feierwütigen wie unbeliebten Conze gewesen. In der Amtszeit des 50-Jährigen brach das TV-Werbegeschäft ein, die Verschuldung stieg auf Rekordniveau und der Aktienkurs fiel ins Bodenlose.

Mediaset hält nun 20,1 Prozent der Anteile

Dennoch hielt Brandt an Conze fest, den er 2018 vom Staubsaugerhersteller Dyson geholt hatte. Weil die Aktien des TV-Konzerns sich bis vor ein paar Monaten nahezu komplett in Streubesitz befanden, konnte der Aufsichtsratschef nach Belieben schalten und walten. Damit ist es nun vorbei: Das Medienunternehmen Mediaset, das der Familie des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gehört, sowie ein Konsortium um den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky nutzten den niedrigen Aktienkurs zum Einstieg. Nun hält Mediaset 20,1 Prozent der Anteile von Pro Sieben Sat 1, Kretinsky und seinen Partnern gehören gut zehn Prozent.

Beide Gesellschafter haben ziemlich konkrete Vorstellungen zur Zukunft des TV-Konzerns. Vor ein paar Tagen meldete das „Manager Magazin“, sie wollten auf der nächsten Hauptversammlung Chefaufseher Brandt abwählen, auch um Conze loszuwerden.

Brandts Tage bei Pro Sieben Sat 1 dürften gezählt sein

Die Trennung vom Vorstandschef ging nun schneller als gedacht über die Bühne. Brandts Tage bei Pro Sieben Sat 1 dürften ebenfalls gezählt sein. Und der neue Vorstand – mit Finanzchef Rainer Beaujean als Sprecher – ist wohl nur eine Übergangslösung. Angeblich hat Kretinsky einen eigenen Kandidaten für den Vorstandsvorsitz. Ob Mediaset auch einen hat? Abgesehen von der Abneigung gegen Brandt sind die Gemeinsamkeiten beider Anteilseigner überschaubar.

Was aus der nach RTL zweitgrößten Sendergruppe des deutschen Privatfernsehens wird, ist völlig offen. Stünde der TV-Konzern kurz davor, an den Berlusconi-Clan zu fallen, könnte die Medienpolitik einschreiten. Thomas Rabe, Chef des RTL-Eigners Bertelsmann, hat schon mal den Wunsch geäußert, die Politik möge einen deutschen „TV Champion“ zulassen. Er wünscht sich eine Änderung des Kartellrechts, die es RTL erlauben würde, bei Pro Sieben Sat 1 einzusteigen.