BerlinAls sie das erste Mal nach Berlin kam und dort die Reste der Mauer sah, erzählt Tanja Arcimovich, habe sie sofort verstanden, dass diese Mauer nicht weg ist, sondern nur verschoben. Sie selbst lebe nun hinter dieser Mauer in Minsk. Das ist ein paar Jahre her, heute promoviert die Kulturwissenschaftlerin in Gießen und die Mauer bröckelt auch in Minsk, weil empörte Belarussen sich nicht länger an der Nase herumführen lassen wollen von ihrem scheinbar unabwählbaren Präsidenten und seit August auf die Straße gehen. Doch sie bröckelt eben nur. Niemand weiß, wie lange sich die Fassade des immer gewalttätiger werdenden Regimes noch hält, aber dass mit den anhaltenden Protesten tiefgreifende Veränderungen in der Zivilgesellschaft unumkehrbar geworden sind, ist unumstritten.

Jedenfalls unter den Diskutantinnen, die sich am Mittwochabend auf der virtuellen HAU4-Bühne versammelten und unter der leicht provokanten Titelfrage „Eure Vergangenheit ist unsere Zukunft?“ einen Einblick in den belarussischen Aufbruch gaben. Ist Belarus nur ein weiterer Dominostein im Kippprozess postsozialistischer Staaten, die in nahezu automatisierten Schnellverfahren entweder die neoliberale Kappe Westeuropas überwerfen oder dem halbdemokratischen Durchmarsch Russlands folgen?

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