BerlinSeinen Bühnenbildern war stets anzusehen, dass sie von der Zeichnung gedacht waren: schroffe Linien und Formen, dazu grelle, wilde Farben: Giftgrün, Orange, Rosa. Und Schwarz natürlich, die Farbe aller Abgründe. Auf einer Theaterbühne konnte Volker Pfüller so mit wenigen Strichen ganze Weltzustände errichten, wüste Kriegslandschaften, Seelentrümmerfelder oder Kasperletheater der Revolution. 1981 in einer seiner berühmten Arbeiten etwa (für die er den Kritikerpreis der Berliner Zeitung erhielt): die Bühne für Georg Büchners „Dantons Tod“ inszeniert von Alexander Lang am Deutschen Theater, erster großer Aufschlag einer längst legendären Zusammenarbeit mit diesem Regisseur. Pfüllers zeichnerisch zuspitzender Stil war wie geschaffen für die abstrakte, fast tänzerische Künstlichkeit von Langs Regiestil.

Denn wenn erst die von Pfüller eingekleideten Figuren dazukamen und aus den Zuständen bewegte Bilder wurden! In Grabbes „Theodor Herzog von Gothland“ etwa, 1984 am Deutschen Theater. Mit giftgrünem Umhang und flammend orangem Haar spielte Christian Grashof die Titelrolle. In Pfüllers Ausstattung wirkte Grabbes kriegerisches Drama fast wie ein Manga-Film.

Weil Pfüllers Verständnis, was eine Bühne ist, weit über das Theater hinaus in den Stadtraum reichte, waren die von ihm gestalteten Programmhefte und Plakate zu den Inszenierungen stets Teil des Gesamtkonzepts. Er griff hier die überhöhten, fast grafischen Spielweisen auf und führte sie ins Zweidimensionale zurück. Und doch wirkten die Figuren stets, als könnten sie jederzeit von den Plakaten herab auf die Straße steigen. Neben Lang arbeitete Pfüller mit den Regisseuren Adolf Dresen, Dieter Dorn, Thomas Langhoff und Alexander Stillmark zusammen.

1939 in Leipzig geboren, studierte er an der Berliner Fachhochschule für Angewandte Kunst und an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Seit den späten 1970er-Jahren war er als freiberuflicher Kostüm- und Bühnenbildner, Grafiker, Illustrator und Plakatkünstler tätig. 1990 übernahm Pfüller an der Kunsthochschule in Weißensee die Leitung der Abteilung Bühnenbild, wurde im gleichen Jahr auch Gastprofessor für Illustration an der Kunsthochschule Kassel. Von 1997 bis 2005 war er Professor für Illustration an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Sein grafisches Werk ist ebenso preisgekrönt wie seine Bühnenbilder. 1981 und 1983 erhielt er den Kritikerpreis der Berliner Zeitung, 1986 den Kunstpreis der DDR. In seinem langen Künstlerleben hat er immer wieder mit hinreißenden Kinderbuchillustrationen auf sich aufmerksam gemacht, die keinen Abgrund verschweigen und doch stets Wege daraus weisen. Am 23. Oktober ist Volker Pfüller im Alter von 81 Jahren in Rudolstadt gestorben.