Als im vergangenen Monat in den USA die wichtigsten Fernsehpreise, die Primetime-Emmys, vergeben wurden, da vermisste man gerade im humoristischen Fach einige besonders verdienstvolle TV-Schaffende. Die Mitglieder der dortigen Fernsehakademie standen halt vor der schwierigen Aufgabe, eine Auswahl treffen zu müssen. Auch in Deutschland sehen sich die Jurys von Fernsehpreisen mit Problemen konfrontiert, allerdings völlig anderer Art: Wie bekommt man eine ausreichende Zahl an Nominierungen zusammen?

Insofern muss man RTL auf gewisse Weise Respekt zollen für den Mut, ausgerechnet einen „Deutschen Comedypreis“ auszuloben. Auch der diesjährigen Ausgabe, ausgestrahlt als Aufzeichnung vom Dienstag, merkte man an, dass die Jurymitglieder noch immer nicht in allen Kategorien aus dem Vollen schöpfen können. Indikatoren waren zum einen die Nominierungen von Humoristinnen und Humoristen, deren Erscheinen in diesem Zusammenhang eher Verwunderung auslöst. Zum anderen zeigt sich das Problem darin, dass alljährlich die selben Kräfte nominiert und reihum prämiert werden. Oder auch in Folge, so wie Cindy aus Marzahn, die nunmehr drei der kegelförmigen Trophäen ihr eigen nennt, oder auch die „heute show“, die zum dritten Mal zur „Besten Comedyshow“ gekürt wurde.

Eigentlich wäre da mal ein Dank an den US-Sender Comedy Central fällig gewesen, dessen seit 1996 bestehende „Daily Show“ bekanntlich gewisse Inspirationen geliefert hat. So wie die nominierte Serie „Pastewka“ an Larry Davids „Curb Your Enthusiasm“ angelehnt ist und bei dem als beste Komödie nominierten RTL-Film „Undercover Love“ – wie der Laudator Tom Beck mutigerweise nicht unerwähnt ließ – „True Lies“ mit Arnold Schwarzenegger erkennbar Pate gestanden hatte.

Dabei sind deutsche Produzenten durchaus in der Lage, mit eigenen Ideen zu reüssieren. Sehr zu recht bekam die Sat.1-Serie „Danni Lowinski“ den Preis als „Beste Comedyserie“ und stach damit die mit ihrer eintönigen Sie-liebt-ihn-sie-liebt-ihn-nicht-Dramaturgie doch sehr verzichtbare RTL-Serie „Doctor’s Diary“ aus. Auch in der Sparte „Late-Night-Show“ honorierte die Jury ein originelles Modell und prämierte die ZDF-Reihe „Pelzig hält sich“, die sich damit unter anderem gegen den Kneipenkrakeel „Inas Nacht“ durchsetzen konnte.

Die sonst gern genommenen Einflüsse aus den USA oder auch aus Großbritannien – man schaue sich einmal Veranstaltungen mit dem brillanten Ricky Gervais („The Office“) als Moderator an – fehlen leider dort, wo man sie sich wünschen würde: bei der Gestaltung deutscher Preisverleihungsshows. Beim Deutschen Comedypreis führte Dieter Nuhr durch den Abend, und wieder einmal konnte man sich nur wundern über die Wertschätzung, die dieser Mann gerade bei jenen genießt, die Buchstabenfolgen wie RTL oder ProSieben wenn überhaupt, dann nur mit dem Ausdruck ausgemachten Ekels über die Lippen bringen. Es muss wohl am für Nuhr typischen Vortrag mit langsamer und gesenkter Stimme liegen. Im Saal gab es bestenfalls verhaltenen Applaus für Witze wie den über Berlusconi, dem Gefängnis drohe, wo er dann die Sexualität mal von einer anderen Seite kennen lernen werde. Nuhr entblödete sich nicht und gab sogar noch einen drauf: Berlusconi werde sich bei der Arbeit wohl auch mal bücken müssen ...

Schöne Vorstellungen lieferten hingegen Annette Frier als scharfzüngige Laudatorin und Matthias Matschke, der in der Kategorie „Bester Schauspieler“ gegenüber Bastian Pastewka das Nachsehen hatte, aber trotzdem die Bühne erklomm und eine Dankesrede aus Verliererwarte hielt, während der eigentliche Preisträger scheinbar peinlich berührt daneben stand. Verdienten Beifall erhielt auch Max Giermann, der mit einer szenischen Til-Schweiger-Parodie begeisterte, bevor Schweiger gemeinsam mit Tochter Emma aus Giermanns Händen den Preis für „Kokowääh“ als erfolgreichste deutsche Kinokomödie entgegennahm.

Den diesjährigen Ehrenpreis erhielt Hella von Sinnen, was vor einigen Jahren noch kaum denkbar gewesen wäre. Aber warum nicht – Kurt Krömer erhielt sogar einen Grimme-Preis, und dessen humoristische Verfahren sind denen Hella von Sinnens ja keineswegs unähnlich.