Es gibt Orte in Berlin, die emotional sehr besetzt sind. Der im Oktober 2008 stillgelegte Flughafen Tempelhof gehört dazu. Während der Berlin-Blockade war der Flughafen die Lebensader des von jeglicher Versorgung abgeschnittenen Westteils der Stadt. Die von amerikanischen Alliierten initiierte Luftbrücke ist fest verankert im Gedächtnis der Berliner. Am Sonnabend können die historischen Orte besucht werden, denn der ehemalige Flughafen öffnet die Türen und feiert ein großes Sommerfest.

Besucher können an Führungen teilnehmen, die zu versteckten, geheimen und sonst verschlossenen Räumen führen. Der Kalte Krieg wird im Depot des Alliierten-Museums wieder lebendig. Hier sind Fahrzeuge, Flugzeuge und Hubschrauber ausgestellt. Von Juni 1948 bis Ende September 1949 wurde West-Berlin über den Luftweg versorgt. Im 3-Minutentakt flogen Frachtmaschinen aus den westlichen Besatzungszonen, von den Berlinern liebevoll Rosinenbomber genannt, den Flughafen Tempelhof an.

Auch die US Air Force nutzte den Flughafen

Eine logistische Meisterleistung für die Fluglotsen in Tempelhof, denn in den drei Luftkorridoren, zwei für die Hinflüge, einer für die Rückflüge, wurde auf fünf Ebenen geflogen. Im Höhenabstand von nur 500 Fuß landeten und starteten die Flugzeuge dicht getaktet und brachten täglich um die 4000 Tonnen Hilfsgüter, in der Spitze sogar über 7000 Tonnen an Lebensmitteln, Steinkohle und Medikamenten nach Berlin.

Von 1945 bis 1993 wurde der Flughafen Tempelhof von der US Air Force genutzt. Die amerikanischen Soldaten sollten auch ihre Freizeit auf dem Flughafengelände verbringen. So gibt es in dem riesigen Flughafengebäude mehrere Turnhallen, eine legendäre Basketballhalle, Restaurants und Bars. Das ehemalige Offiziers-Hotel mit Kellerbar und Casino versetzt Besucher am Sonnabend in die Zeit, als der amerikanische Lifestyle in die Stadt kam. Besichtigen kann man auch die Luftschutzräume, in denen während des Krieges Tempelhofer und Kreuzberger Schutz suchten. Die Wandgemälde nach Motiven von Wilhelm Busch sind erhalten geblieben.

Gebaut wurde der Flughafen als Teil der Germania-Planungen zwischen 1936 und 1941 nach Plänen von Ernst Sagebiel. Auf dem Gelände des Flughafens befand sich das Columbia-Haus, seit 1933 als Gestapo-Gefängnis und bis zum Bau des Flughafens auch als Konzentrationslager KZ Columbia weitergeführt. Zu den prominenten Häftlingen gehörten Rabbiner Leo Baeck, Werner Seelenbinder, Ernst Thälmann und Erich Honecker. Ein Mahnmal erinnert an die wechselvolle Geschichte des monumentalen Flughafens.

Die Berliner Polizei stellt sich vor

Zum Tag der offenen Tür finden Zeitzeugen-Gespräche zur Luftbrücke statt. Es geht aber auch um die Zukunft eines geschichtsträchtigen Ortes, denn Tempelhof war immer mehr als ein Flughafen. Tempelhof war ein Symbol für Hoffnung und Freiheit, eng verbunden mit der Geschichte der Stadt. Im Hangar 5 diskutieren Kreative, Politiker und Wissenschaftler über die Zukunft des Flughafengebäudes.

Neben Führungen und Gesprächen zur Geschichte und Zukunft des Flughafens findet auf dem Vorfeld den ganzen Tag über ein großes Sommerfest statt. Mieter und Nachbarn, die um und auf dem Flughafengelände ihre Räume haben, stellen sich vor. Mit dabei sind auch die Berliner Polizei, die Tanzschule Traumtänzer und der benachbarte SilverWings Club, in dem während der Luftbrücke Johnny Cash für die amerikanischen Soldaten auftrat.