Die meisten Berliner Museen können sich normalerweise über fehlenden Andrang nicht beschweren. Doch wer kommt nicht zu Kunst und Ausstellungen? Mit der Erforschung kultureller Teilhabe möchte die Stadt neue Wege zu potenziellen Besuchern finden, die bislang eine Scheu vorm Museumsbesuch empfinden. „Wir haben verschiedene Formen der Öffnung der Kultureinrichtungen begonnen“, sagte Kultursenator Klaus Lederer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Dazu zählt etwa die Einrichtung von eintrittsfreien Sonntagen einmal im Monat.

„Wir wollen die Angebote für unterrepräsentierte Gruppen ausbauen“, sagte der Linke-Politiker. „Programm, Personal und Publikum sind für die Verbreitung von Perspektiven in einer diverser werdenden Gesellschaft ein Schlüsselmoment dafür, solche Einrichtungen zugänglich zu machen: Ich gehe nur dann dahin, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mich selber dort wiederfinde.“ Dazu gehört aus Sicht Lederers etwa die Frage, welche Geschichten in den Häusern erzählt werden können. Das solle dann keinesfalls als „Pflichtbesuch“ empfunden werden.

Die eigene Wahrnehmung und das eigene Publikum

Lederer verwies vor allem auf die Arbeit des Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung. Dort haben erste Studien ergeben, dass Bildung, Alter und Finanzen zu den stärksten Einflussfaktoren für kulturelle Teilhabe gehören. Das bundesweit einzigartige Institut könne Kultureinrichtungen bei der Interpretation von Daten helfen, „um dann über die eigene Wahrnehmung und das eigene Publikum – auch über das, was vielleicht fehlt – zu reflektieren und sich neue Ideen und Strukturen auszudenken“. Solche Erkenntnisse seien nicht regional gebunden.

Die eintrittsfreien Sonntage sollen 2022 und 2023 fortgesetzt werden, kündigten die Verantwortlichen am Dienstag an. Zu den bisher sechs Tagen dieser Art kamen rund 155.000 Besucher. Inzwischen gehören 64 Museen zu dem Programm. Auch das Berliner Humboldt-Forum beteiligt sich mit den sonst kostenpflichtigen Sonderausstellungen. Nach ersten Auswertungen durch das Institut finden neun von zehn beim Besuch Befragten die Initiative sehr gut. Für drei Viertel sei der freie Eintritt Anstoß gewesen, an diesem Tag ins Museum zu kommen. Der Großteil habe das Museum am eintrittsfreien Tag zum ersten Mal besucht. Umfassende Resultate der Studie wurden für den Sommer angekündigt.