Exberliner.
Foto: exberliner.com

BerlinMitunter ist es gut, wenn Journalisten mehr können, als flotte Artikel schreiben. Nadja Vancauwenberghe, Chefredakteurin des englischsprachigen Stadtmagazins Exberliner, ist jedenfalls sehr froh darüber, dass ihre Mitarbeiter auf mehreren Feldern talentiert sind. Eine kann professionell massieren, eine andere unterrichtet Berliner Mundart und ein dritter schippert im Zweitberuf Touristen und Hauptstädter über die Spree.

Die vielfältigen Begabungen der Belegschaft der Zeitschrift sind derzeit wertvoller denn je. Dem Exberliner sind in Folge der Corona-Krise nämlich 80 Prozent der Werbeeinnahmen weggebrochen. Deshalb erscheint das Blatt seit Anfang April nur noch online. Doch im Netz kann die mit einer verkauften Auflage von 15.000 Exemplaren größte englischsprachige Publikation der Hauptstadt kaum Geld verdienen – mal ganz davon abgesehen, dass die Chefredakteurin bekennende Liebhaberin von Druckerzeugnissen ist und sich eine rein digitale Zukunft ihres Titels weder vorstellen kann noch mag.

Das Geld für die gedruckte Doppelausgabe Juli/August, die traditionell besonders dick ist, haben sie gerade so noch zusammenbekommen. Doch danach sieht es – einen Zuschuss des Landes Berlin hin, Kurzarbeitergeld her – ziemlich düster aus. Ein dringend benötigter Kredit ist dem Blatt, dessen finanzielle Lage vor Corona nach Angaben Vancauwenberghes „gut“ war, bisher nicht bewilligt worden.

Und so musste eine andere Lösung her. Denn um ab September wieder auf absehbare Zeit auch als gedrucktes Heft erscheinen zu können, benötigt der Exberliner 20.000 Euro. Die Redaktion versucht es, trotz anfänglicher Skepsis ihrer Chefin, mit Crowdfunding. Aber es ist ja nicht irgendein Crowdfunding: Wer für den Fortbestand von Exberliner spendet, erhält dafür auch etwas. Und hier kommen die vielfältigen Talente der Mitarbeiter ins Spiel: Bereits für 50 Euro fährt der aus Kanada stammende Schreiber Kevin Spender über die Spree. Wer 55 Euro für den Exberliner erübrigen kann, darf eine Stunde lang mit der stellvertretenden Chefredakteurin Franziska Helms Berlinerisch lernen. Und für 60 Euro gibt es eine 30-minütige Massage von der Büroleiterin.

Es können natürlich auch ganz andere Beträge gespendet werden. Es beginnt bei fünf Euro, für die es E-Paper zweier bereits erschienener Exberliner-Ausgaben gibt. Für 1500 Euro wird dem Spender eine Seite zur freien Gestaltung gewährt. So kamen bei Redaktionsschluss seit dem 26. Mai insgesamt 13.611 Euro zusammen. Um die erhoffte Summe in Höhe von 20.000 Euro zu erreichen, bleiben dem Exberliner noch knapp zwei Wochen. Am 30. Juni läuft die Aktion aus. Chefredakteurin Vancauwenberghe ist „vorsichtig hoffnungsvoll“, dass das gesteckte Ziel erreicht wird.