Autor Marc-Uwe Kling (Mitte) zwischen dem Regisseur Daniel Ley, rechts, und dem Hauptdarsteller Dimitrij Schaad, links. 

BerlinBestseller-Verfilmungen sind immer schwierig. Auf die große Erwartung der Fans folgt meist Enttäuschung. „Die Känguru-Chroniken“, die seit Donnerstag im Kino laufen, aber zeigen, dass so ein Projekt durchaus klappen kann. Für das Gelingen der Verfilmung des Klassikers mit dem vorlauten Beuteltier und seinem Mitbewohner, dem Autor Marc-Uwe Kling, gibt es viele Gründe. 

Zum einen spielt sich das Känguru selbst – und sieht natürlich darin allein den Erfolg der Produktion begründet, wie es zur Premiere verkündete. Und auch wenn die Fans zunächst enttäuscht gewesen sind, dass Marc-Uwe sich nicht selbst verkörpert, so gratuliert zumindest das Känguru seinem Mitbewohner zu dieser weisen Entscheidung.

Der Autor und Liedermacher hat stattdessen das Drehbuch zur Verfilmung seiner Bestseller-Serie über das Leben mit einem kommunistischen Beuteltier geschrieben – und dabei abermals sein Können unter Beweis gestellt. Der Plot überzeugt mit einer Mischung aus alten Bekannten und einer neuen Geschichte aus dem WG-Leben mit dem Känguru.

Das Setting ist und bleibt dabei das altbekannte: Berlin befindet sich mitten in der Postmoderne, geprägt von einer Mischung aus Gentrifizierung, Spätis und Eckkneipen. Marc-Uwe (Dimitrij Schaad), ein Kleinkünstler, geplagt von Migräne und häufig im Bademantel anzutreffen, lebt zusammen mit dem Känguru, seines Zeichens Kommunist, in Kreuzberg, unweit des Görlitzer Bahnhofs. Doch die subkulturelle Idylle des Kiezes wird gestört, als ein Abrissbagger das Nachbarhaus niederreißt:

Jörg Dwigs (Henry Hübchen), rechtspopulistischer Immobilienhai, lässt auf dem Gelände des Görlitzer Parks ein gigantisches Bauwerk entstehen. Dass das ein absolutes Unding ist, davon sind auch Nachbarin Maria (Rosalie Thomass) mit ihrem Sohn Jesus, Eckkneipenwirtin Herta (Carmen-Maja Antoni) und die gut integrierten Späti-Besitzer Otto-Von (Tim Seyfi) und Friedrich-Wilhelm Yilmaz (Adnan Maral) überzeugt. Doch das Känguru hat bereits einen Plan: Ein Anti-Terror-Anschlag soll das Bauprojekt der rechten Föhnfrisur verhindern.

Wie es selbst den Film findet und was es sonst noch zu sagen hat, erzählt das Känguru im Interview.

Liebes Känguru, vielen Dank, dass du dir Zeit nehmen konntest. Ich hoffe, dein marxistischer Lesekreis musste während der Filmproduktion nicht zu sehr unter deinem Fehlen leiden? Wie sieht es mit dem Jüdisch-Bolschewistische Weltverschwörung e. V. und dem Asozialen Netzwerk aus? Hast du einen Stellvertreter in deiner Abwesenheit benannt?

Ich habe (trotz schwerer Bedenken) Marc-Uwe zu meinem Stellvertreter ernannt. Deswegen konnte er auch im Film nicht mitspielen. Einer von uns musste sich um das Asoziale Netzwerk kümmern. Die Produzenten standen also vor der Wahl: Entweder ich spiele mit oder Marc-Uwe spielt mit. Keine sonderlich schwere Entscheidung. Der Film heißt ja nicht „Die Marc-Uwe-Chroniken“.

Trotz deines stetig steigenden Bekanntheitsgrads, auch dank der Veröffentlichungen deines Mitbewohners Marc-Uwe, gabst du bisher keine Interviews. Woher jetzt der Wandel?

Marc-Uwe gibt keine Interviews. Mich hat nur selten jemand gefragt. Ich bin immer und jederzeit gerne bereit, meine Gedanken und politischen Positionen mit der Welt zu teilen. Mit dem Verteilen von Meinung bin ich wirklich großzügig. Ich habe sehr viel davon.

Wie viele Schnapspralinen waren seitens X-Verleih vonnöten, um dich dazu zu bringen, im Film selbst mitzuwirken?

Ich habe eine Verschwiegenheitsklausel unterschrieben, die mir nicht gestattet über die genaue Menge Schnapspralinen zu sprechen. Nur so viel: Die Menge wurde in Europaletten angegeben. Aber natürlich war das nicht der wirkliche Grund für mein Mitwirken an diesem Film.

Wer war der bessere Kleinkünstler: Marc-Uwe Kling oder sein Film-double Dimitrij Schaad?

Dimi kann bessere Jo-Jo-Tricks. Marc-Uwe kann besser jonglieren. Marc-Uwe schreibt die lustigeren Lieder, Dimi kann sie besser singen. Sie sollten anfangen, zusammen aufzutreten. Das wäre echt schräg.

In welche Kategorie gehört der Kinofilm: witzig oder nicht witzig?

Ich finde ihn sehr witzig, wobei ich gestehen muss, dass ich beim Gucken auch eine ordentliche Portion Schnapspralinen intus hatte.

Dieses Interview erschien zuerst auf Spreewild.deSpreewild, die Jugendredaktion der Berliner Zeitung, verlost 5 Exemplare der „Känguru-Chroniken“. Schicken Sie dazu eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung Känguru“ an blz-jugendredaktion@berliner-zeitung.de.