Rio Korn im Garten der Brotfabrik. Hier arbeitet der Punksänger als Technikchef.
Foto: Sebastian Wells/Ostkreuz

BerlinWenn man Rio heute im Garten der Brotfabrik sitzen sieht, scheint er seinen Platz gefunden zu haben. „Allet richtich jemacht!“ Das ist ein Satz, der verdächtig oft fällt in unserem Gespräch, das wir bei ein paar Bieren in der Weißenseer Kultureinrichtung führen. Der Zufall hat uns nach bald dreißig Jahren wieder zusammengeführt: Rio, den Punksänger, und mich, den einstigen Fan. Alles richtig gemacht? Nicht zu viel gemacht jedenfalls. Rio ist jemand, der die Systeme und Zeitenwenden an sich vorbeiziehen lässt und sich selbst dabei nicht übermäßig rührt. Der Slogan: „Ohne mich!“ funktionierte in der DDR ganz gut – und später erst recht. Wird schon alles irgendwie glatt gehen, und wenn nicht, hilft das Schicksal nach. 2014 gewann Rio bei Günther Jauch 64.000 Euro und konnte damit seine Schulden bei Finanz- und Arbeitsamt begleichen. Fast noch schöner: „Drei Tage lang war ick in meinem Kiez der Superstar.“

Seit 1991 ist Rio, bürgerlich Robert Korn, Sänger der 1987 in Berlin gegründeten Punkband No Exit. Jüngst hat er die Fünfzig überschritten, ist Vater zweier Töchter, von denen die ältere gerade ihr Abitur abgelegt hat. Er trägt noch immer einen gefärbten Iro, den er früher im Bedarfsfall mit Zuckerwasser zu einer akkuraten Nadelparade auf dem Scheitel aufrichtete. Die Drahtigkeit seiner eher zarten Statur ist noch ahnbar, der runde, nur im Profil sichtbare Bauch wirkt wie ausgeborgt. Rios Augen sind wach, bleiben aber ab und zu mal hängen, wenn er eine Pointe sucht. Der Humor ist da, aber die Sprüche kommen nicht mehr ganz so locker.

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