Der Schatten von ARD-Programmdirektor Volker Herres (Archivbild).
Foto: dpa/Ralf Hirschberger

BerlinEs war die WDR-Redakteurin Bettina Scharkus, der die Wortwahl ihres Intendanten als erste auffiel: Während Tom Buhrow, der auch ARD-Vorsitzender ist, auf einer Pressekonferenz am Mittwoch verkündete, die ARD-Intendanten hätten die Verlängerung der Freitagsausgabe der „Tagesthemen“ um 15 Minuten beschlossen, tat er sich mit einer anderen Ankündigung etwas schwerer. Buhrow sprach lediglich vom „Wunsch“ der Senderchefs die „Tagesthemen“-Ausgaben von Montag bis Donnerstag um fünf Minuten verlängern zu wollen. So soll Platz für mehr Nachrichten aus den Regionen geschaffen werden.

Warum, wollte Scharkus wissen, fassten die Intendanten in einem Fall einen Beschluss und äußerten im anderen nur einen Wunsch? Damit sprach sie ein äußert heikles Problem an. ARD-Programmdirektor Volker Herres hatte sich im Vorfeld der Intendantentagung gegen eine Verlängerung der „Tagethemen“-Ausgaben von Montag bis Donnerstag gewehrt. Er fürchtet, unter einer Verlängerung der Nachrichtensendung könnten die Quoten der nachfolgenden Programme leiden. Zudem sei unklar, ob es genug attraktive Themen für tägliche Regionalberichte gebe.

Degeto-Chefin Christine Strobl gilt als Wunschkandidatin

Mit seiner Kritik steht Herres, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, jedoch allein auf weiter Flur. Die Verlängerung der Ausgaben von Montag bis Donnerstag werde auf jeden Fall kommen, heißt es in Intendantenkreisen. Nur um den ARD-Programmdirektor nicht zu desavouieren, sei zu diesem Punkt zunächst kein formeller Beschluss gefällt worden.

Dass es um das Verhältnis der Senderchefs zu Herres nicht zum Besten bestellt ist, weiß man spätestens seit Oktober 2017. Damals verlängerten sie den Vertrag ihres Programmdirektors statt, wie üblich, um fünf nur um drei Jahre bis zum 1. November 2021. Eine weitere Verlängerung gilt als ausgeschlossen.

Nun hält es manch ARD-Hierarch gar für möglich, dass Herres seinen Posten noch vor Vertragsende räumen könnte. Bisher gilt die Chefin der ARD-Filmeinkaufstochter Degeto, Christine Strobl, als Wunschkandidatin der Senderchefs für die Herres-Nachfolge. Die älteste Tochter von Wolfgang Schäuble, die mit dem baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl (CDU) verheiratet ist, hat die Degeto mit anspruchsvollen Produktionen wie „Babylon Berlin“ auf Vordermann gebracht.

Viele Kandidaten für die Herres-Nachfolge gibt es nicht

Allerdings sorgte Strobl zuletzt bei Buhrow und der MDR-Intendantin Karola Wille für Irritationen, weil sie sich massiv gegen einen möglichen Umzug der Degeto von Frankfurt in das Sendegebiet des MDR gewehrt haben soll. Im Gespräch war wohl Leipzig.

Buhrow will in seiner Amtszeit als ARD-Vorsitzender mehr ARD-Institutionen als bisher im Osten ansiedeln. Strobl, die sich zu all dem nicht äußern mag, war erfolgreich: Nun soll nicht einmal mehr geprüft werden, ob ein Komplett-Umzug der Degeto Sinn ergibt.

Ob der Vorgang der Juristin schadet, ist unklar. Allzu viele Kandidaten für die Herres-Nachfolge gibt es nicht. Außenseiterchancen hat allenfalls noch WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn. Eine ARD-Sprecherin sagt, man werde sich „rechtzeitig“ um die Personalie kümmern.

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Kai-Hinrich Renner ist einer  der bekanntesten Medienjournalisten Deutschlands. Seine „Medienmacher“-Kolumne, in der er immer wieder Exklusives aus der deutschen Medienbranche berichtet, wird in der Branche gleichermaßen respektiert wie gefürchtet.