Natur und Kalter Krieg, aufgenommen von Manfred Uhlenhut
Foto: Manfred Uhlenhut

BerlinDa ist er wieder, der Subtext. Unwillkürlich mitgeliefert in dieser Aufnahme Mitte der 80er- Jahre. Der gelassen blickende Schäfer mit Hund, seine Pfennigsucher in der märkischen Flur – eigentlich gibt es keinen friedlicheren Anblick. Aber dahinter rollen auf einem NVA-Kettenfahrzeug sowjetische Flugabwehrraketen. Die Schafe und deren Hüter bringt das nicht aus der Ruhe. Der Friede muss bewaffnet sein! So hieß es zu DDR-Zeit, Zweifel nicht erlaubt. Aus Nato-Sicht gilt das freilich auch heute.
 

Das Motiv des Berliner Fotografen Manfred Uhlenhut aber erzählt vom Kalten Krieg, nicht von einer Armee der Freiwilligen wie heute. Nachdenklich stehen Betrachter des Fotos in der Galerie der Brotfabrik in Prenzlauer Berg, nehmen das Motiv auf, der Subtext arbeitet im Hirn. Ein par Schritte weiter schaut man auf das Bild vom Glockenturm des KZ Buchenwald bei Weimar im Nebel. Melancholie, Winter 1989; acht Monate später fiel die Berliner Mauer.

Die Ausstellung mit Bildern der Erinnerung an deutsche Geschichte zeigt  Porträts von arbeitenden Menschen, Aufnahmen von rauchenden Schloten im Lausitzer Tagebaugebiet, sie zeigt Passanten an der Weltzeituhr und Schüler beim Renovieren ihres Klassenzimmers. Der Fotograf ist vor einem Jahr gestorben. Sein Nachlass ist in dieser Erinnerungssschau namens „Zeitblick“ ausgebreitet als Teil eines kollektiven Gedächtnisses.

Brotfabrik, Caligariplatz 1, Glashaus e.V., bis 19.1. 2020, tgl. 12–20 Uhr