BerlinHier mal wieder ein Hinweis für Freunde des Theaters und Verächter des Streamings, die, was das Letztere angeht, noch einmal in sich gehen sollten. Um die Schwellen zu dem auf den ersten Blick wesensfremden Medium zu senken und die pantoffelhalber reduzierte Aufmerksamkeitsspanne nicht zu überdehnen, sollte man sich anfangs den kürzeren Formaten und bescheideneren Ästhetiken widmen. Und da gibt es mit den Erzähltheaterperformances von Forced Entertainment etwas wirklich Schönes zu entdecken: „Catch Up: Complete Works: Table Top Shakespeare: At Home“. 

Die Mitglieder der britischen Performancegruppe sind schon seit fünf Jahren mit Shakespeares gesammelten Werken unterwegs, die sie in äußerst reduzierter und zugänglicher Form präsentieren: ein Tisch, ein Erzähler, ein paar Utensilien aus dem Alltag. Shakespeares verzwickte, oft überkonstruierte Handlungsstränge werden mit eigenen Worten in leicht verständlichem Englisch wiedergegeben und erscheinen auf einmal übersichtlich wie eine Steuererklärung auf einem Bierdeckel. Die vielen handelnden Personen, ohne erkennbare innere Beteiligung von griffbereiten Gegenständen oder Lebensmitteln dargestellt, treten auf, finden ihre Position auf der Tischplatte und lassen die Konstellationen und Konflikte erkennen und die Kräfte wirken. Länger als 60 Minuten pro Stück dauert das nicht.

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