Gottlieb Wendehals im schwarz-weißen Karo.
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BerlinSo dumm mochte man Ende der 70er-Jahre gar nicht denken, dass man sich stimmungsselig oder nur volltrunken einem Mann im schwarz-weißen Karo anschloss, um hinter ihm eine nicht abzureißen scheinende Polonäse zu bilden. Der Mann, der das fertig brachte, hieß Werner Böhm, aber fast alle, die seine Gefolgschaft bildeten, kannten ihn als Gottlieb Wendehals. Er war der Spaßmacher der alten Bundesrepublik, die unbedingt gewillt schien, in seinem Namen jegliche Form von Trübsal abzuschütteln. Die „Polonäse Blankenese“ wurde 1981 zum Hit und später zum Evergreen, obwohl oder weil es sich so tumb reimte.

Werner Böhm hatte mit Gottlieb Wendehals ein Kunstfigur geschaffen, die so grobschlächtig ausgefallen war – pomadisierter Mittelscheitel und unterm Arm eine Aktentasche und ein Gummihuhn -, dass es besonders leicht war, sich von ihr zu distanzieren. Aber gerade das war es ja, weswegen Gottlieb Wendehals so erfolgreich werden konnte. Hinter ihm feierte man sich in der Entlastung völliger Sinnlosigkeit. Gottlieb Wendehals war ein Bruder im Geiste von Otto Waalkes, der den Nonsens in Deutschland in der Nachfolge von Heinz Erhardt als Kunstgattung etabliert hatte.

Werner Böhm konnte sich seiner Figur Gottlieb Wendehals so entspannt hingeben, weil er, als er die Szene im Karo betrat, schon eine staatliche Laufbahn als Jazzmusiker hinter sich hatte. 1941 in Danzig geboren, spielte er bereits Ende der 50er-Jahre in der Hamburger Band Cabinet Jazzmen, und als Jazz-Pianist trat er in den Hamburger Clubs auf, von denen das Onkel Pö vor allem durch Udo Lindenberg berühmt wurde. Am Piano begleitete Werner Böhm Jazz-Größen wie Louis Armstrong, Ella Fitzgerald und Errol Garner bei deren Auftritten in Deutschland. Für viele deutsche Jazzer blieb später der Schlager die einzig verlässliche Finanzierungsgrundlage, woran einer wie Roy Black schließlich sogar zerbrach.

Werner Böhm, der über viele Jahre mit seiner Alkoholkrankheit zu kämpfen hatte, nutzte sein Alter Ego Gottlieb Wendehals nicht zuletzt wohl auch dazu, um zu sich selbst als Schlagerclown auf Distanz gehen zu können. Mitte der 80er-Jahre versuchte Böhm Wendehals noch einmal hinter sich zu lassen, indem er versuchte, mit dem Projekt 84 Ahead an Disco und Rap anzuschließen, allerdings mit mäßigem Erfolg. Werner Böhm war dreimal verheiratet, u. a. zwischen 1981 und 1989 mit der Sängerin Mary Roos. Trotz seiner großen kommerziellen Erfolge ist Werner Böhm immer wieder in finanzielle Schieflagen geraten, gleich zweimal musste er trotz verschiedener Comebacks als Gottlieb Wendehals Privatinsolvenz anmelden. Am Dienstag ist der Musiker Werner Böhm auf Gran Canaria kurz vor seinem 79. Geburtstag gestorben.