Natürlich liegt dem 736-seitigen Band auch eine CD-Rom bei. Über deren Qualitäten werde ich nichts sagen. Stattdessen blättere ich ein wenig in dem Buch. Es gibt die Staaten von Afghanistan bis Zypern. Das sind 500 Seiten. Dann noch Basisdaten wie Bevölkerungszahl, Brutto-National-Einkommen pro Einwohner. Bei Letzterem liegen Australien, Dänemark, Deutschland, Kanada, Niederlande, Österreich, Schweden, Vereinigte Arabische Emirate zwischen 41 370 und 43 320 Dollar nahe bei einander. Luxemburg, Schweiz, Singapur, USA haben zwischen 50 und 63 000. Katar ist Weltmeister mit 84 670. Beim Vatikan fehlen die Angaben. Die Demokratische Republik Kongo hat 370, Burundi und Eritrea 560. Der Weltdurchschnitt liegt bei 12 079. Man liest das, versucht, es sich einzuprägen und weiß doch, dass man schon in zwei Stunden es vergessen haben wird. Man schlägt zum Beispiel nach bei den USA, die ein BNE von 50 610 Dollar haben und entdeckt, dass die Armutsquote Mitte 2012 bei 15 Prozent lag. Das ist der höchste Stand seit 1993. 47 Millionen Einwohner der USA erhielten Beihilfen für den Kauf von Lebensmitteln. Schlägt man auf Seite 614 die Liste der reichsten und der ärmsten Staaten auf, dann begegnet man beim Bruttonationaleinkommen anderen Zahlen als im Abschnitt „Basisdaten“. Auf Platz eins steht dort  Norwegen mit 88 890. Katar kommt nicht vor. Die USA haben statt 50 000 nur 48 620. Man hat ein anderes Jahr genommen, aber offensichtlich auch andere Rechenmethoden. Das verwirrt den, der Fischers Weltalmanach aufschlägt, um sich entwirren zu lassen. Seite 629 ist eine Tabelle zu sehen, auf der fast alles rot ist. Die Finanzierungssaldos der Eurostaaten im Jahre 2012. Bis auf Deutschland sind alle im Minus. Bis auf Deutschland und Estland sind alle über die Maastrichtgrenze hinaus verschuldet. Das stärkste Wachstum zeigten 2012 Estland mit 3,2% und die Slowakei mit 2 Prozent. Die Arbeitslosigkeit der Euroländer war so hoch wie noch nie seit der Einführung des Euro. Wenn man sich bis Mai keine Begründungen dafür, wenn man sich keine Maßnahmen dagegen einfallen lässt, wird es bei den Europawahlen schlecht ausgehen für Europa. Nicht nur im Süden, sondern auch zum Beispiel in Deutschland und den Niederlanden. Wenn man sich freilich ansieht, wie gut es auch noch den bedauernswertesten Ländern Europas im Vergleich zu den Staaten auf der anderen Seite des Mittelmeers geht, dann weiß man, was wir an Immigration noch zu erwarten haben. Es ist schade, dass der Weltalmanach ohne das Thema Migration auskommt. Das Stichwort kommt vor. Aber jeweils bei bestimmten Ländern - zum Beispiel Griechenland und USA oder aber als Flüchtlings- und Asylprobleme. Man könnte glatt den Eindruck haben, wir lebten nicht in einer Epoche der Völkerwanderung. Wahrscheinlich ist der Weltalmanach in früheren Ausgaben auf die Bevölkerungsbewegungen eingegangen, sodass er einmal aussetzen wollte. Mehr als die Hälfte des Welttourismusaufkommen geht an Europa. Nein. Ich muss mich klarer ausdrücken: Europa ist Tourismusziel Nummer 1. Wir hier in Europa vergessen das gerne. Wir sind das Traumland der Welt. Vor 70 Jahren waren wir der Albtraum.

Der Neue Fischer Weltalmanach 2014, 736 Seiten mit zahlreichen s/w und farbigen Abbildungen, eine CD-Rom, 29,99 Euro.

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