Die Redaktion des Nachrichtenmagazins Der Spiegel drängt ihre beiden Vertreter innerhalb der fünfköpfigen Spitze der Mitarbeiter KG weiterhin zum Rücktritt. Mehr als 160 Namen fanden sich am Donnerstag auf der Unterschriftenliste, in die sich unter anderem fast das gesamte Hauptstadt-Büro und auch der stellvertretende Chefredakteur, Klaus Brinkbäumer, eingetragen haben.

Die Unterzeichner entziehen damit Marianne Wellershoff und Gunther Latsch das Vertrauen. Anlass ist das Verhalten der KG, die dem aus Sicht der Redaktion faulen Kompromiss zugestimmt hat, gegen den Willen aller Ressortleiter Nikolaus Blome von der Bild-Zeitung als „Mitglied der Chefredaktion“ und Leiter des Hauptstadtbüros zum Spiegel zu holen. Um die KG formal abzusetzen, bedarf es der schriftlichen Erklärung von zwei Drittel aller rund 800 stillen Teilhaber, darunter viele Verlagsangestellte.
Dennoch: Das Misstrauensvotum ist eindeutig. Ob Latsch und insbesondere Wellershoff zurücktreten, bleibt abzuwarten.

Am 16. September ist Gesellschafterversammlung. Doch selbst eine Neuwahl ändert nichts daran, dass Wolfgang Büchner neuer Spiegel-Chefredakteur ist und Blome kommen wird. Der nächste Konflikt dürfte aufbrechen, sobald Büchner wie erwartet beginnt, die Ressortleitungen neu zu besetzen.