Der Musiker Ellis Marsalis
Foto: Imago

BerlinAls vor zwei Wochen der Zeichner Albert Uderzo im Alter von 92 Jahren starb, waren die Nachrichten über seinen Tod stets von der Information begleitet, dass er keineswegs den Folgen einer Corona-Infektion erlegen sei. Herzversagen, ein gewöhnlicher Tod. Der Mann, der Asterix und den Zaubertrank erfunden hat, darf nicht das Opfer eines heimtückischen Virus sein, sollte das wohl besagen. Asterix und Obelix müssen nach dem Getümmel Helme von Römern einsammeln. Unvorstellbar, dass sie Mundschutz tragen. Wobei sogleich das Bild vor dem geistigen Auge erscheint, dass Idefix einen ebensolchen auf der Nase hat.

Corona hat auch den Umgang mit dem Sterben verändert. In vielen Ländern, in denen noch keine Lkw zum Abtransport von Leichen rollen, dürfen Bestattungen nur im engsten Familienkreis stattfinden. Trauer auf Abstand, kirchliche Zeremonien finden nicht statt. Erlaubt ist lediglich ein stilles Gedenken am Grab. Was sollte auch gesagt werden in solch einer kargen Situation?

Der Jazz als Virus

Unterdessen erfährt man aus den Medien immer häufiger, dass auch prominente Menschen mit dem Virus infiziert oder infolge einer Infektion gestorben sind. Andere Kulturnachrichten gleichen ausführlichen Krankenbulletins. Die britische Sängerin und Schauspielerin Marianne Faithful, so heißt es, befinde sich mit Corona-Infektion in einer Klinik - hoffentlich geht es ihr bald besser.

Einer, der dem Virus erlegen ist, war der Jazz-Musiker Ellis Marsalis. Der 85-Jährige starb am 2. April in New Orleans, einer Stadt mit besonders hohen Fallzahlen der Corona-Infektion. Als Erklärung wird dafür der Karneval herangezogen. New Orleans ist die Stadt des Mardi Gras, jener einzigartige Form, den Jazz zu feiern. Wenn man alt genug sei, in Schwierigkeiten zu geraten, hat Ellis Marsalis einmal gesagt, dann sei es in New Orleans sehr wahrscheinlich, mit dem Jazz in Berührung zu kommen. Auch eine Infektion. Vier seiner sechs Söhne wurden Berufsmusiker: Branford, Wynton, Delfeayo und Jason. Es gibt eine schöne Videoaufnahme im Netz, in der der Vater mit seinen Söhnen einen Jazzklassiker spielt, schon damals war das eine sehr anrührende Aufnahme. Ellis Marsalis, der viele Jazzgrößen ausgebildet hat, sah sich übrigens nicht als Lehrer. Er lerne ja selbst immer noch dazu, hat er einmal gesagt. Wir müssen gerade lernen, unser Leben nicht vollständig auf das Virus auszurichten.