Rainer Beaujean.
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BerlinIm August 2019, Rainer Beaujean wirkte erst gut einen Monat als neuer Finanzvorstand bei Pro Sieben Sat 1, tätigte der Diplom-Kaufmann ein Aktiengeschäft, das für seine persönlichen Finanzen von Nachteil war, seinem Standing beim neuen Arbeitgeber aber nutzte: Er kaufte für 1,5 Millionen Euro Aktien des TV-Konzerns. Es war ein Zeichen der Loyalität, denn Indizien dafür, dass der Aktienkurs der Sendergruppe steigen würden, gab es seinerzeit kaum.

Damals notierte das Wertpapier bei 11,55, heute nur noch bei 6,92 Euro. Beaujeans Aktienpaket hat sich nahezu im Wert halbiert. Auch sonst stehen die Dinge bei Pro Sieben Sat 1 nicht zum Besten: Der Schuldenstand ist hoch, das Werbegeschäft eingebrochen. Deshalb musste der Vorstandsvorsitzende Max Conze am Donnerstag gehen.

Sein Nachfolger ist der loyale Beaujean. Allerdings darf er sich nicht Vorstandsvorsitzender nennen. Er ist Sprecher eines dreiköpfigen Vorstands, also nur Erster unter Gleichen. Der 51-Jährige unterscheidet sich sehr von seinem lauten, feierwütigen Vorgänger. Der Finanzvorstand, diesen Posten behält er, ist ein eher ruhiger Manager. Das muss kein Nachteil sein. Die Zeiten, da in deutschen Vorständen graue Finanzexperten als ungeeignet für den Chefposten galten, sind längst vorbei – sogar in der glamourösen Medienbranche. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe ist dafür das beste Beispiel: Er wirkte 23 Jahre als Finanzfachmann, bevor er 2012 den Vorstandsvorsitz des größten europäischen Medienkonzerns übernahm.

Ein Branchenfremder

Allerdings war Rabe bereits zwölf Jahre im Unternehmen, bevor er an dessen Spitze rückte. Beaujean dagegen ist gerade mal ein dreiviertel Jahr bei Pro Sieben Sat 1. Und er ist ein Branchenfremder. Der neue Chef der Senderfamilie kam vom Verpackungshersteller Gerresheimer. Er begann seine Karriere 1995 bei der Deutschen Telekom und wechselte 2000 zu deren damaliger Tochter T-Online. Weitere Stationen waren der Kranhersteller Demag Cranes und die auf Messtechnik spezialisierte Elster Group.

Berufen wurde Beaujean vom Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Brandt. Den wollen, laut eines Berichts des „Manager Magazins“, die beiden Hauptgesellschafter - die italienische Mediaset und ein Konsortium um den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky - schnellstens loswerden. Die Tschechen sollen zudem einen eigenen Kandidaten für den Chefsessel haben. Soll die Ära Beaujean mehr als ein Intermezzo sein, muss der neue Chef das Vertrauen der Mediaset gewinnen, die der Familie des einstigen italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi gehört.