BerlinAnfangs hat Walter Plathe sogar noch überlegt. Soll er wirklich der „Landarzt“ im ZDF werden? Er habe die Serie nicht gekannt und sich das erst einmal anschauen wollen, erzählt der Berliner Schauspieler heute. Der Produzent habe ihm damals gesagt, er sei bekloppt. Schließlich übernahm er die Rolle – und war im Fernsehen dann 17 Jahre lang darin zu sehen.

Das ist fast ein Viertel seines Lebens. Am Donnerstag (5. November) wird Plathe nun 70 Jahre alt. Er ist ein Schauspieler aus dem Osten, der sich zunächst in der DDR einen Namen machte und später in der ganzen Republik eine Karriere hinlegte. Dabei schlug er anfangs einen ganz anderen Weg ein. Stichwort: Zoohandlung.

Aufgewachsen in der Ackerstraße

Vor der Schauspielschule habe er eine Ausbildung zum „Zootier-Fachverkäufer“ gemacht, schreibt er in seinem Buch „Ich habe nichts ausgelassen“. Da hatte er dann erst mal mit weißen Mäusen zu tun und nicht mit Theaterbühnen. Geboren wurde Plathe 1950, aufgewachsen ist er in der Ackerstraße in Berlin-Mitte.

Sein früheres Viertel ist ihm immer noch wichtig, er hat auch schon Besucher durch die Stadt geführt. Neben seiner Rolle in „Der Landarzt“ spielte Plathe den früheren Bürgermeister in der ARD-Serie „Familie Dr. Kleist“. Er war auf dem „Traumschiff“ im Zweiten zu sehen, beim ZDF-Krimi „Derrick“ und natürlich im Theater. Bei den Berliner Kudammbühnen etwa im Stück „Monsieur Pierre geht online“.

Plathe redet am Telefon  ziemlich frei Schnauze, er muss gleich los. Wie es ihm gehe? „Eigentlich ganz gut“, sagt Plathe. Mit der neuen Hüfte, die er im Frühjahr bekommen habe, laufe es gut. Gerade habe er ein neues Buch über Heinrich Zille vorgestellt. Der sozialkritische Berliner Maler (1858–1929) liegt ihm am Herzen, zusammen mit anderen Prominenten hat Plathe auch ein Museum für Zille ins Leben gerufen.

Mit Dackel in den Westen

Plathe spielte in der DDR in mehreren Spielfilmen mit und moderierte zum Beispiel auch mal die Unterhaltungsshow „Ein Kessel Buntes“. Kurz vor dem Mauerfall ging er in den Westen. Das sei kein plötzlicher Entschluss gewesen, sondern habe sich nach und nach entwickelt, sagt er heute.

Mit dabei hatte er seinen Dackel Hennes, wie er im Buch beschreibt. Plathe und die Dackel, das ist eine ganz eigene Liebesgeschichte. Mittlerweile lebt er ohne Hund. Aber vielleicht schaue er sich demnächst mal im Tierheim um, erzählt er. Was er im Buch vor einigen Jahren auch beschrieb: dass er sowohl Frauen als auch Männer liebt. Seine Freunde und Kollegen hätten das damals ohnehin gewusst, sagt der Schauspieler.

Dass er sich dann damals doch für den ZDF-„Landarzt“ entschied, habe er nie bereut. Es sei eine schöne Zeit gewesen, sagte er. „Aber wie man so sagt: Alles hat seine Zeit.“ Ob er jetzt vielleicht doch noch eine Kneipe aufmacht, wie er im Buch überlegt hat? „Ich wäre wirklich ganz gerne Kneipier geworden. Aber ich glaube, das ist jetzt vorbei.“