WDR-Intendant Tom Buhrow steht in der Kritik, weil er sich redaktionell vom Aufrtitt des Kinderchors distanziert. 
Foto: Oliver Berg

BerlinAm Dienstag muss der WDR-Intendant Tom Buhrow auf einer außerordentlichen Sitzung der Redakteursvertretung des Senders Rede und Antwort stehen.

Dort ist die Aufregung groß, wie einem internen Schreiben der Vertretung zu entnehmen ist, das das Online-Magazin uebermedien.de zitiert: „Wir sind fassungslos, dass Intendant Tom Buhrow einem offenbar von Rechtsextremen orchestrierten Shitstorm so leicht nachgibt, sich vorschnell redaktionell distanziert und das (WDR2)-Video mit dem satirischen Kinderlied nicht nur löschen lässt, sich nicht nur persönlich entschuldigt, sondern dabei mehrfach öffentlich (u. a. live bei WDR2) Redakteurinnen und Redakteuren in den Rücken fällt“, heißt es darin.

Was war passiert? Der Kinderchor des Senders hatte für ein satirisches Video das Lied „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ abgewandelt, dass darin  die Zeile vorkam: „Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau“. Es folgte flammende Empörung in den sozialen Medien, bei der es um den Generationenkonflikt ging und um die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der für die AfD ein Lügenmedium ist.

Es ist leicht, über soziale Medien Einfluss zu nehmen 

Der Sender reagierte so hektisch wie oben beschrieben. Tom Buhrow erhob sich gar vom Krankenbett seines 92 Jahre alten Vaters, um in einer Live-Sendung um Verzeihung zu bitten. Erst am Wochenende gab es wieder Demonstrationen vor und auf dem Dach des Senders in Köln, Rechte und ihre Gegner hatten dazu aufgrufen. Irre.   Buhrow verteidigt seine Entschuldigung  und wird dafür zu Recht kritisiert.

Aber eigentlich zeigt dieser Vorgang vor allem, wie leicht es ist, über soziale Medien Einfluss zu üben, und wie groß die Unsicherheit im Umgang mit diesen sogenannten Shitstorms ist, bei denen oftmals kaum mehr als ein paar Hundert Leute etwas erzeugen, das dann als riesengroße, sich selbst verstärkende Empörung in die Öffentlichkeit kommt.

Im Grunde müsste jeder, vor allem Journalisten und Politiker, hinsichtlich des Umgangs mit sozialen Medien geschult werden. Als Erstes sollte man sich das höchst erhellende Video „Infokrieg“ von Y-Kollektiv ansehen, ein Netzwerk  junger Journalistinnen und Journalisten. Sie zeigen, wie eine Schattenarmee rechter Internet-Trolle den Diskurs in den sozialen Netzwerken bestimmt. Man findet es auf YouTube.